Wie schützt man seinen Hund vor Leishmaniose?

Immer mehr Urlauber wollen ihren treuesten Freund auch auf ihren Reisen in den Süden dabei haben. Tierärzte finden: Das ist keine gute Idee! 

Für manche Menschen steht fest: nie ohne meinen Hund! Und schon gar nicht im Urlaub. Andere finden einfach niemanden, der zwei oder drei Wochen auf ihren Vierbeiner aufpassen und mit ihm Gassi gehen kann oder möchte. Ein weiterer Grund: Die Unterbringung in wirklich netten Hundepensionen kann zwischen 15 und 25 Euro pro Tag ausmachen. Da kommt in drei Wochen eine ganz schöne Summe zusammen.

Ansteckungsgefahren im Süden

Welche Argumente haben Tierärzte gegen die Reisen in den Süden? „Hunde brauchen keinen Tapetenwechsel im Urlaub, und wenn Sie tatsächlich unbedingt einen Urlaub mit Hund verbringen wollen, so wäre eine Wanderwoche in Österreich oder der Schweiz doch eher nach dem Geschmack eines Hundes“, so wird Dr. med. vet. Anna Laukner, Clinica Veterinaria Santa Gertrudis, Ibiza, auf verschiedenen Internetseiten von Tierschutzorganisationen zitiert. Und weiter: „Sollten bestimmte Gründe es unabdingbar machen, einen Hund mit ins südliche Ausland zu nehmen, so sollten Sie unbedingt ein paar Grundregeln beachten: Lassen Sie den Hund während der Abend- und Morgendämmerung nicht ins Freie und behalten Sie ihn auch während der Nacht im Haus. Versuchen Sie, ihn mit wirkungsvollen Ektoparasitika gegen den Stich der Sandfliege zu schützen (z. B. Exspotâ). All diese Vorsichtsmaßnahmen bieten keinen 100prozentig zuverlässigen Schutz gegen eine Leishmaniose-Infektion, es gibt nach wie vor keine Prophylaxe in Form einer Impfung oder eines Medikamentes!“
Deshalb sollten sich Hundebesitzer es sich wirklich gut überlegen, so die Tierärztin weiter, ob es man dem Tier etwas Gutes tut, wenn man es mit in mediterrane Länder nimmt. Selbst während eines Kurzurlaubes könne der Hund infiziert werden, da die Sandmücke mittlerweile eine hohe Verbreitung habe.

Auch Menschen können erkranken

Einen hundertprozentig sicheren Schutz vor dem Stich der Sandmücke gibt es auch für den Menschen nicht, aber bedeckte oder mit einem Repellent (= insektenabwehrendes Mittel) geschützte Haut hält die Blutsauger (wie bei unseren einheimischen Stechmücken saugen nur die weiblichen Tiere) weitgehend ab. Gängige Moskitonetze und Fliegengitter haben oft zu große Maschen, durch die die sehr kleinen Insekten schlüpfen können.
Im Mittelmeerraum ist die sogenannte viszerale Leishmaniose (Befall der Organe) verbreitet, sie wird ausgelöst durch die Parasiten-Unterart„Leishmania infantum“. Diese Krankheit bekommen nur Säuglinge, Greise und Menschen, die eine das Immunsystem unterdrückende Therapie (z. B. nach einer Organtransplantation) hinter sich haben. Die meisten aber wissen nichts von ihrer Infektion. So ist auch anzunehmen, dass viele Mittelmeertouristen infiziert sind, ohne es je zu bemerken.

Ob ein Hund erkrankt, hängt von seinem Immunsystem ab

Ob bei einem Hund, in dessen Organismus Leishmanien durch den Mückenstich eingedrungen sind, die Krankheit auch tatsächlich ausbricht, hängt von der Stärke seines Abwehrsystems ab. Sendet die Immunsystem ausreichend viele der sogenannten Fresszellen aus, werden auf einem komplizierten Weg Antikörper gebildet, die man in einer einfachen Blutuntersuchung nachweisen kann. Diese Antikörper zeigen nur an, dass das Tier Bekanntschaft mit dem Erreger gemacht hat. Ist der Antikörper-Titer sehr hoch, muss der Tierarzt eine Behandlung beginnen.

Rechtzeitig behandelt haben viele Tiere keine Beschwerden

Bei Leishmaniose gibt es verschiedene Therapien, die eine völlige Beschwerdefreiheit über Jahre gewährleisten können. Am häufigsten angewendet und am besten verträglich ist der Wirkstoff Allopurinol, der in der Humanmedizin als Gichtmedikament gegeben wird. Das nebenwirkungsfreie Allopurinol wird in Tablettenform zweimal täglich verabreicht, meist über Wochen bis Monate. Es ist preisgünstig (100 Stück rund 16 Euro). Braucht der Hund vorübergehend stärkere Medikamente, wird meist ein Antimon-Präparat (z. B. Glucantime) empfohlen. Bei einem 20 Kilogramm schweren Hund muss in der Regel für eine einmalige Glucantime-Kur mit Kosten von rund 100 Euro gerechnet werden. Über eine seriöse internationale Internet-Apotheke kann man die Präparate eventuell günstiger bekommen. Neue viel versprechende Medikamente sind noch in der Erprobungsphase.
Dr. rer. nat. Torsten J. Naucke vom Institut für Medizinische Parasitologie der Universität Bonn erforscht seit Jahren die mediterrane Sandmücke. Der Parasitologe hat bei seinen Studien in Griechenland eine infizierte Hündin gefunden. Er ließ sie behandeln und nahm sie mit nach Deutschland. Das Tier lebte viele Jahre symptomfrei.

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Weitere Informationen bieten viele Tierschutzorganisationen und Tierärzte
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