Wie ansteckend ist Leishmaniose?

Leishmaniose – für Hundebesitzer ein Schreckenswort. Kann sich ein Hund bei seinem Artgenossen anstecken? Oder können sich Menschen bei einem Hund anstecken? 

Immer mehr Hundebesitzer haben den Begriff „Leishmaniose“ zumindest schon einmal gehört, viele von ihnen wissen, welche Krankheit hiermit gemeint ist – und einige haben sogar einen Hund, der „Leishmaniose-positiv“ ist.

Leishmanien sind weit verbreitet

Leishmaniose trifft nicht nur Hunde. Derzeit sind weltweit etwa zwölf Millionen Menschen in 88 Ländern aller Kontinente (Ausnahme: Australien) mit Leishmanien infiziert. Etwa 350 Millionen Menschen leben in Gebieten, in denen sie sich täglich infizieren könnten. In Deutschland erkranken nach Untersuchungen an der Universität Heidelberg etwa 50 bis 100 Patienten pro Jahr. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, zumal es keine Meldepflicht für diese Erkrankung gibt, die teilweise schwere Hautprobleme und Störungen der Organfunktionen mit sich bringt. Außerdem sind die Symptome oft nicht eindeutig. Wird die Diagnose tatsächlich gestellt, stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, die einen Patienten nach wenigen Wochen heilen.

Übertragung durch einen Mückenstich

Leishmaniose hat etwas gemeinsam mit der Malaria: Beide Krankheiten werden durch eine Mückenart übertragen. Bei der Malaria ist es die Anophelesmücke, bei der Leishmaniose spielt die Sandmücke bzw. Sandfliege diese Rolle. Diese blutsaugenden Insekten übertragen weder Bakterien noch Viren sondern winzige Parasiten, die nur wenige Mikrometer groß sind (1 Mikrometer = ein Tausendstel Millimeter). Sandfliegen (Fachausdruck: Phlebotomus) sind vor allem in tropischen und subtropischen Gegenden verbreitet, aber auch im Mittelmeerraum. Und in den letzten Jahren hat man sie auch in Süddeutschland gefunden. Ob diese Exemplare mit Touristen eingeschleppt worden sind oder ob sich Sandmücken im Zuge des Klimawandels grundsätzlich nach Norden ausbreiten ist nach wie vor nicht geklärt.
Erstaunlicherweise bringt nur ganz selten einmal ein Tourist eine Leishmaniose-Erkrankung mit. Und das obwohl sich alljährlich Millionen von Menschen in Ländern aufhalten, in denen es Sandmücken zuhauf gibt. Übrigens: Phlebotomus ist dämmerungsaktiv und sticht zwischen April und Oktober.

Tierschützer holen Hunde aus dem Süden – und damit auch die Krankheit?

Wenn man seinen neuen Schützling, den man aus dem Süden mitgebracht oder über eine entsprechende Tierschutzorganisation bekommen hat, zum ersten Mal zum Tierarzt bringt, muss man eventuell auf Kopfschütteln gefasst sein. Nicht alle Tierärzte in Deutschland haben Verständnis für solche „Importe“. Manche finden, man solle den Hunden in deutschen Tierheimen den Vorzug geben, anderen ist es unverständlich, wie man sich freiwillig in die Gefahr begibt, eine hierzulande noch weitgehend unbekannte Krankheit ins Haus zu holen.
Doch immer mehr Tierärzte haben selbst Erfahrungen im Mittelmeerraum oder anderen Regionen der Welt gesammelt und gehen souverän mit den Tierbesitzern um.
Seriöse Tierschutz-Organisationen vermitteln nur auf Leishmaniose getestete Hunde. Eine Blutprobe kann auf den Gehalt an Antikörpern („Antikörper-Titer“) untersucht werden, d.h. auf körpereigene Stoffe des Immunsystems, die auf Leishmanien im Blut reagieren. Diese Antikörper sind zwei bis vier Wochen nach einer Infektion erstmals nachweisbar.

Hunde mit Leishmaniose können ein gutes langes Leben haben

Es ist ein Irrglaube, dass ein positiv getesteter Hund nur noch wenige Monate oder Jahre vor sich hat und in dieser Zeit schwer leiden muss. Ob bei einem Hund, in dessen Organismus Leishmanien durch den Mückenstich eingedrungen sind, die Krankheit auch tatsächlich ausbricht, hängt von der Reaktion seines Immunsystems ab.
Nach einer Untersuchung, die auf Ibiza vorgenommen wurde, sind auf dieser Insel rund 30% aller vollkommen gesund wirkenden Hunde antikörper-positiv. Besonders dort schon lange heimische Rassen wie der Podenco Ibicenco entwickeln eher selten Krankheitssymptome.
Offenbar gibt es hier eine über Generationen erworbene Immunität gegen Leishmaniose.

Kann man sich bei einem Hund anstecken?

Eine direkte Übertragung von Leishmanien vom Hund auf den Menschen, etwa über Blut oder Speichel, ist rein theoretisch möglich, aber niemals wissenschaftlich nachgewiesen. Leider wird das aber immer wieder von Tierärzten behauptet. Ehrlicher wäre es, zu sagen: Die Wahrscheinlichkeit, sich durch direkten Kontakt bei einem erkrankten Hund mit Leishmaniose zu infizieren, ist verschwindend gering.
Es ist nämlich sehr fraglich, ob die Parasiten, die von einem erkrankten Tier stammen, überhaupt in der Lage sind, ihrerseits eine Erkrankung auszulösen. Viele Experten gehen mittlerweile sogar davon aus, dass es eine Infektion mit Leishmanien immer nur durch den Stich von Phlebotomus geben kann.
„Hinzu kommt, dass auch nicht jeder Kontakt mit Leishmanien bei einem gesunden Menschen auch zu einer Erkrankung führt“, sagte Dr. med. vet. Anna Laukner, Clinica Veterinaria Santa Gertrudis, Ibiza, in einer Sendung des WDR. „Vor allem betroffen sind, wie bei vielen Infektionskrankheiten, abwehrgeschwächte Menschen, aber auch alte Menschen und Babies. Natürlich sollten Sie die gängigen Hygienemaßregeln im Umgang mit einem kranken (und auch einem gesunden Hund) beachten. Panik oder Hysterie bei einer Leishmaniose-Erkrankung des Hundes sind jedoch fehl am Platz.“


Weitere Informationen bieten viele Tierschutzorganisationen und Tierärzte
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