Fischotter – haben auch Zähne

 

Fischotter sind selten, ja sogar vom Aussterben bedroht. Der Bestand dieser Wassermarder hat sich aber etwas erholt, es gibt ihn wieder, und natürlich gerade bei uns! Ich kann ein Lied davon singen..Ich werde hier nur eigene, halt subjektive Erfahrungen mit Fischottern UND den Naturschutzbehörden schildern, weil das so selten passiert, und meist auch gar nicht sachlich. Das wird auch mir schwerfallen, aber ich habe halt gewisse Erfahrungswerte und auch einige echte Bildnachweise.

Otter leben an offenenen Gewässern, seien es Bäche, Flüsse, Seen. Sie sind aufs Wasser spezialisierte erfolgreiche Jäger, haben nicht mal natürliche Feinde, ausser früher vielleicht Wolf oder Bär, aber die sind schon lange und immer noch weit weg.. Der Fuchs, unser heutiger grösster Räuber, ist keine Bedrohung, sondern eher ein respektvoller und dankbarer Begleiter des Otters auf dessen Streifzügen, das kann ich mit Sicherheit sagen!

Keine natürlichen Feinde, fast konkurrenzlose Nahrungsquelle, dauerhaft unter Schutz stehend – wieso geht’s diesen Mardern eigentlich so schlecht? Weils den Konflikt mit uns Menschen gibt, klar. Fischotter wurden fast ausgerottet, weil sie als Schädlinge galten und ständig menschliche Interessen störten bzw. schädigten. Mein Opa hat mir glaubhaft versichert, dass die Förster seinerzeit fast ganzjährig entlang des Grenzbaches Otterfallen aufgestellt hatten, um ihn frühzeitig zu erwischen, falls wieder mal einer von „unten“ raufkam. Der Grund: das Fischereirecht im Harlandbach gehörte dem Forst, die schmackhaften wilden Bachforellen durfte nur der Förster fangen und verwerten. Trotzdem wurde er nicht ausgerottet.

Wenn aber Otter da sind, ist so ein schmaler Bach schnell „ausgefischt“ wie jetzt ja auch, es gibt so gut wie keinen Fisch über 15cm Länge mehr. Nochmal: im kleinen Bach sind alle größeren Forellen weg, aber die Fische werden deswegen nicht ausgerottet. Sie können halt vielleicht nur einmal ablaichen, also schon ihren Fortbestand sichern, aber dann haben sie aber aufgrund ihrer Größe zu wenig Versteckmöglichkeiten, und sie werden Beute vom Fischotter. Ausnahmslos, das behaupte ich. Da bleibt halt auch nichts für die Bratpfanne übrig.

Irgendwann war dann der Bejagungsdruck durch den Mensch, verbunden mit dem aufkommenden „Feind“ Straße und zunehmender Naturnutzung, und die zunehmende Umweltverschmutzung,  an allen Rückzugsgebieten so groß, daß es dem Otter wirklich ernsthaft an den Kragen ging und er kurz vor dem Aussterben war (60er-70er Jahre?).

Das wollen wir als aufgeklärte Bürger ja nun auch nicht mehr. Und es hat natürlich längst ein Umdenken stattgefunden: alle (heimischen) Tiere und Pflanzen haben ihre Daseinsberechtigung, der Mensch darf die Artenvielfalt nicht länger willkürlich beeinflussen (80er-90er Jahre?)

Als vor ca. 15 Jahren wirklich wieder Fischotter bei uns zu spüren waren, haben das die Kleinteichbesitzer mit ihren 100 oder 200 Forellen als erste gemerkt. Wenn nämlich bei der täglichen Fütterung plötzlich kaum Fische hochkommen, und das Wasser im Weiher etwas trüb erscheint, dann ist was faul. Fischdiebe! Aber welche? Die Dorfkinder, gar der böse Nachbar oder eine östliche Diebesbande mit Zugnetz? Zuzutrauen wärs ihnen allen – kleiner Scherz…aber das wurde damals wirklich vermuetet!  Wer bei diesen Anzeichen nicht sofort reagiert hat, also die restlichen Fische gerettet (umgebettet in anderen Teich oder halt die Gefriertruhe) oder geschützt hat (mit geeigneten Maßnahmen!), der  hat garantiert 95-99% Verlust erlitten. Der Otter macht in wenigen Tagen jeden Kleinteich leer, aber meist überleben 1-3 Stück, warum, weiß ich auch nicht.

Es sind gleich viele Gerüchte umhergegangen, u.a. der Nationalpark würde ständig (gechippte) Otter aussetzen, noch dazu die übergroßen und nicht heimischen nordamerikanischen Otter. Fast alles Nonsens. Im Grafenauer Land, wo ich (berufsbedingt) lange im dortigen Fischereiverein aktiv war und im Ilztal auch viel geangelt habe, haben meine Schreckensmeldungen von den sich dramatisch ändernden Bedingungen bei Ottervorkommen nur zu mildem Lächeln geführt, die kannten ihn ja noch nicht. Das ist heute anders. Der Fischotter hat sich wieder weiträumig ausgebreitet, er ist über den Nationalpark  wieder in das gesamte Donaueinzugsgebiet vorgedrungen. Im KFV Grafenau mag keiner mehr eine sog. Kleingewässerkarte..

Nebenbei: Zufällig habe ich erst vor ein paar Wochen in Passau am Ortsspitz den letzten Berufsfischer Passaus getroffen, Anton Hartl.  War mal in der Schule in Passau und habe dort auch geangelt, daher kenn ich ihn und sein ehemaliges Fischergeschäft. Da redet man halt über die Donaufischerei  und so weiter. Herr Hartl hat da erzählt, dass der Otter auch schon da ist. Gleich am gegenüberliegenden Innufer, etwa auf Höhe Mariahilf, mündet ein Bächlein in den Inn, das hat der Otter in Besitz, auch klaut er schon mal Fische aus seinen Stellnetzen! Es ist also absolut sicher, dass die Fischotter mittlerweile wieder weiträumig den Einzugsbereich der Moldau und Donau rückerobert haben! Otter leben gut mit Zivilisation und Flurbereinigung, behaupte ich. Sie sind nicht störungsempfindlich oder panisch bei Kontakt mit Menschen. Es sind Marder, die sind schlau und können gut in Menschennähe existieren. Nur rigoros weggefangen dürfen sie nicht werden.

Es gibt genug otterverträgliche Lebensräume! Und das sind halt mal die Unterläufe der Fließgewässer, wo sich ein langes, breites Wasserbett mit vielen  sich reproduzierenden Fischarten befindet und die Otter unproblematisch am vorhandenen Nahrungsreichtum teilhaben können. Da gibt’s natürlich auch spürbare Einschränkungen für die Fischer, aber es relativiert sich. Alle fangen weiterhin brauchbare Fische, Otter und Angler oder Fischer. Möglicherweise sind Fischotter sogar ein willkommener Regulator für die in Massen auftretenden Schwarzmeergundeln in der Donau? Diese Invasoren richten seit Jahren riesige Schäden an der heimischen Fischwelt an und vermiesen fast jedem Angler die Freude am Hobby. Der Fischotter kriegt sie leicht, weil er mit Vorliebe den ufernahen Gewässergrund absucht und die Grundeln da rumliegen, weil sie keine Schwimmblase haben. Wir werden sehen.

Aber dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass die Oberläufe der Fließgewässer mit ihren empfindlichen Fisch-, Muschel- und Krebsvorkommen, und auch dortige Kleinteiche wegen ihres Werts für den Amphibien- und Reptilienbestands geschützt werden müssen vor ständiger Plünderung durch Fischotter! Kleine Teiche lassen sich ja durch geeignete Zäune oder Weidezaunstrom schützen, vorausgesetzt, es wird geduldet und ist finanzierbar. Duldung heisst, es gibt durchaus ein behördliches Problem mit Zäunen im Aussenbereich, die sind nämlich grundsätzlich mal verboten, wenn keine erlaubte/begründete  (landwirtschaftliche) Nutzung vorliegt. Und wie viele Kleinteiche sind schon genehmigt? Ein wirksamer Abwehrzaun gegen Otter kostet ausserdem viel Geld, schätze mal 10-20,-€ pro Laufmeter, da ist man schnell in den Tausendern für einen Weiher! Hierin liegt der Hauptgrund, warum so viele Kleinteichbesitzer einfach aufgegeben haben. Otter und Behörden. Leider auch sehr zum Nachteil der Artenvielfalt. Die weit verstreuten Teiche verfallen, werden trockengelegt oder zugeschüttet –  da kann ich allein in Bischofsreut Dutzende Beispiele zeigen!

Dort kann kein Frosch, Bergmolch oder Kröte mehr ablaichen, keine Libelle, Wasserspitzmaus, Ringelnatter oder auch der Eisvogel können mehr davon profitieren. Die Frösche allein sind die vergangenen 10 Jahre bei uns gewaltig zurückgegangen – sie sind aber auch Hauptnahrung vieler geschützter Vögel und Reptilien..

Aber genau da tut sich ein riesiges Dilemma auf , das alle Naturschützer, private wie staatliche, betrifft: man kann kein geschütztes Tier zurückdrängen (heisst schon fangen/umsetzen oder auch töten), oder Landschaftsbilder einfach einfrieren, um schützenswerte Pflanzen oder Tiere zu erhalten. Alles soll die Natur regeln. Und Gesetze (wie z.B. das Wasserrrecht, das Baurecht usw. usf.) wollen ja auch eingehalten werden, dahinter verstecken sich die allerfeigsten und für die Sache schädlichsten Naturschützer! Ich habe da so einiges  schon erlebt, und denke, das geht nicht mehr.  Sowas wird zum Phyrrus-Sieg für den Naturschutz.

Wir leben zwar am Nationalpark, und am Grünen Band, aber halt nicht in Schweden, Kanada oder Alaska, wo die wilde, unberührte Natur noch nahezu unbegrenzte Flächen einnimmt und sich selbst regulieren kann.

Die folgende Bildserie  zeigt einige  Aktivitäten von Ottern rund um meine eigentlich gut geschützte Teichanlage:

 

  • Man erkennt, mit welcher Gewalt, Ausdauer und auch Geschick der Otter den Geflechtzaun untergräbt, aufbiegt, Schwachstellen ausnutzt. Habe im Winter mal 18 „Probelöcher“ rund um den gesamten Zaun gezählt, reingekommen ist er damals nicht.
  • Bilder von Resten seiner Mahlzeiten. Fische werden immer vom Kopf her gefressen. Hier ist das größte Problem: er ist ein Marder, und kann nicht aufhören, wenn er satt ist, sondern jagt immer weiter, frisst etwas, würgt es auch wieder aus. Häufig bleiben erjagte Fische (lebend oder tot) am Teich liegen und sind dann willkommene Beute für „Mitesser“ wie den Fuchs, oder halt Krähen und Elstern. Es ist im Sommer daher oft schwierig, solche Otternachweise zu finden, weil der Tisch schnell abgeräumt wird. Habe davon noch viel grausamere Fotos: lebende Fische im Weiher mit klaffenden Wunden, abgebissenene Flossen, zerkratzte Körper usw. Diese sind alle dem Tod geweiht und müssen erlöst und entsorgt werden. Das ist aufwendig, ärgerlich, und im Winter oft gar nicht möglich. Man erkennt das wahre Ausmaß der Schäden daher erst viel später.
  • Unten ein halbwüchsiges Entlein innerhalb der Teichanlage, das einzige Überlebende . Es wurde fast zahm, ließ sich schon füttern, und blieb ganz allein im Schilf am Weiher, verschwand dann aber auch. Enten brüten alljährlich hier erfolgreich, das ist der bisher einzige Ausfall, genau als wieder ein Otter wochenlang wochenlang sein Unwesen trieb.
  • Letztes Bild: Fischotter am Teich bei Tag! Leider unscharf, die Aufregung! Hatte in zehn Jahren schon zwei solcher Sichtungen, diesem habe ich die Schaufel nachgeschmissen, leider nicht getroffen. Sie lieben Regenwetter, und ziehen dann auch tagsüber umher.

Unterm Strich alles nicht so schlimm, ich habe ja den Zaun und verkrafte ein paar geraubte Fische. Er muss ja erst einbrechen, das ist nicht einfach und kostet Zeit! Vielleicht noch zur Abwehr: Weidezaunstrom ist sehr gut. Der muss aber wirklich zu 100% funktionieren, der Otter prüft das! Es ist traurig, wenn nach 150 Tagen einmal der Strom ausfällt, jeder Schutz weg ist, und prompt der Otter zuschlägt. Sowas passiert.

Leider  gibt es neben gelegentlichen Besuchern alle paar Jahre auch echte Schadotter, die gar nicht mehr verschwinden wollen und tagtäglich einbrechen, siehe Bilder. Diese muss man entfernen dürfen, mit staatlicher Unterstützung. Aber da mangelt es noch eklatant, wir werden schlicht alleingelassen.

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2 Antworten auf „Fischotter – haben auch Zähne“

  1. Ein wirklich guter Beitrag, der detailliert und fundiert die Lage schildert. Man ist sich des Ineinandergreifens so zahlreicher Argumente „für und wider Naturschutz“ gar nicht bewusst. Was unseren Weiher betrifft: Wir können wohl froh sein … es gibt Frösche, Libellen und Ringelnattern. Und die Fische sind auch noch da, und zwar alle. Einen Eisvogel habe ich kürzlich auch gesichtet, nur bislang keinen einzigen Fischotter. Aber vielleicht kommt das ja noch.

  2. Schöner Bericht ! Bei uns ist mal einer durch den Garten getrabt mitten am Tag . Von 10 fertigen Forellen haben es zwei aufs Teller geschafft. Da blieb unser Teich dann auch leer..

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