Folgen des Leinenzwangs für die Gemeinde [update]

Update vom 5.1.2016:

Die Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald GmbH hat verstanden:

Eine weitere Zielgruppe, die die FNBW ins Visier nimmt, sind Hundebesitzer.  Die Erfahrung zeigt, dass Hundebesitzer ihr Urlaubsdomizil danach auswählen, wo auch ihr vierbeiniger Freund gerne gesehen ist“, so Monika Dombrowsky [die Geschäftsführerin].

… schreibt die PNP am 30.12.2015


2. August 2015:
Mich erreichte vorige Woche diese Beschwerde über einen Beitrag vom März diesen Jahres:

Es geht um einen Deiner Beiträge im Haibischl. [….] hat mich darauf aufmerksam gemacht , dass was du im Haibischl über die Gemeinde Haidmühle berichtest, eigentlich gegen die Gemeinde spricht und nicht für die Gemeinde.

Beitrag: wegen Hunde Anleinpflicht, (auch den Text über unsere Bürgermeisterin ist nicht angebracht! ) … „wenn ihr gewusst hättet ,dass hier Anleinpflicht herrscht, hättet ihr es euch überlegt hier ein Haus zu kaufen….“.

Du darfst nicht nur für Hundehalter sprechen, sondern denke an Familien mit Kindern, die bestimmt froh sind dass Hunde an der Leine geführt werden müssen.

Sei mir nicht böse, wir sollten im Internet Werbung machen (Veranstaltungen usw.) und nicht gegenteiliges. (Im Dorf wird schon schlechtes geredet)

Ich bleibe bei meiner Meinung zu dem Thema (solange ich keine guten, sachlichen, durchdachten Argumente dagegen höre). Die Darstellung ist sachlich und richtig.

Die Leinenpflicht ist in sich unlogisch formuliert (unten steht, warum). Außerdem überzogen. In München herrscht, bis auf die Innenstadt, keine Leinenpflicht. Warum dann in einem so dünn besiedelten Gebiet wie Haidmühle?

Selbstverständlich darf ich für Hundehalter sprechen. Als solcher steht es mit frei zu entscheiden, ob ich in eine Gemeinde ziehe, in der so eine Leinenpflicht herrscht wie in Haidmühle.

Warum ist der „Text über unsere Bürgermeisterin nicht angebracht“? Ich habe geschrieben, dass es keine gute Regelung ist, dass ich nicht weiss, wer sie gemacht hat, und dass die Bürgermeisterin das Richtige tun würde, wenn sie sie entfernte. Das war kein Angriff auf die Bürgermeisterin.

(Im Übrigen: Über Giordano Bruno wurde in seinem Dorf auch schlecht geredet…, ich bin also in guter Gesellschaft.)

Hier mein Beitrag (vom März):


Im aktuellen Mitteilungsblatt schreibt die Gemeinde, dass eine Leinenpflicht für Hunde im Gemeindegebiet besteht. Das ist schlecht, problematisch und kann negative Folgen für die gesamte Gemeinde haben.

Hier ist der Text der Mitteilung:


Hundehaltungsverordnung
Gemäß Hundehaltungsverordnung sind Kampfhunde und große Hunde mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 cm in allen öffentlichen Anlagen und auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im gesamten Gemeindegebiet an einer reißfesten und maximal drei Meter langen Leine zu führen. Als große Hunde gelten stets erwachsene Tiere der Rassen bzw. Mischlinge von Schäferhund, Boxer, Dobermann, Deutsche Dogge und Rottweiler. Zuwiderhandlungen gegen die Festsetzungen in der Verordnung können mit Geldbuße belegt werden. Wir appellieren an alle in Frage kommenden Hundehalter die erlassene Verordnung zu beachten. Die Vermieter werden gebeten, auch die Feriengäste von dieser Bestimmung zu unterrichten und auf die Leinenpflicht aufmerksam zu machen.


Nun könnte man ja sagen, dass ich mich nicht aufregen soll, denn mein Hund ist kleiner als 50cm, weshalb mich das nicht betrifft. Die Sache ist aber nicht so einfach.

Erstens: Wir vergraulen Touristen, die Hunde besitzen

8,9 % der deutschen Haushalte haben einen oder mehrere Hunde. Viele Hundebesitzer sind auch Naturfreunde oder Reiter, also besonders interessant als mögliche Gäste in unserer Gemeinde.
Leider lassen sich diese Gäste von einer Leinenpflicht vertreiben. Meine Frau und ich sind das beste Beispiel: Wir waren eingeladen zu einer Presseveranstaltung ins Stubaital in Österreich. Als wir dort ankamen (mit unserem Hund) und erfuhren, dass im Ort und im ganzen Tal Leinenpflicht herrscht, fuhren wir wieder nach Hause und beschlossen, im Stubaital niemals einen Urlaub zu verbringen (der Grund steht unten unter Punkt 4).

8,9 % der Haushalte, das ist nicht viel. Aber: unter der Art von Haushalten, die für uns als mögliche Gäste in Frage kommen (Naturfreunde),  ist der Prozentsatz sicher deutlich höher.

„Die Vermieter werden gebeten, auch die Feriengäste von dieser Bestimmung zu unterrichten und auf die Leinenpflicht aufmerksam zu machen.“ … steht in der Mitteilung der Gemeinde Haidmühle.
Ja, das können die Vermieter tun, aber diese Gäste werden wohl nicht mehr wieder kommen.

Wir haben wahrlich genug Probleme mit dem Tourismus. Eine Hundepflicht ist hier das völlig falsche Signal. Übrigens auch für Leute, die einen kleineren Hund haben.

Zweitens: Wir schrecken Zuwanderer ab

Im Ernst: Hätten wir von dieser Leinenpflicht gewusst, bevor wir unser Haus in der Gemeinde kauften, hätten wir uns dreimal überlegt, ob wir hierher ziehen. Eine Leinenpflicht ist eine erhebliche Einschränkung für uns und unseren Hund.

Auch für mögliche Zuzügler mit Hunden ist die Leinenpflicht also das völlig falsche Signal, dabei brauchen wir dringend welche, um der sinkenden Einwohnerzahl entgegenzuwirken.

Drittens: Wir wirken schon ein wenig seltsam, im Vergleich zu Städten wie München

München hat beispielsweise diese Regel:

Leinenpflicht für große Hunde gilt:
– in der Innenstadt (innerhalb des Altstadtrings)
– in Fußgängerzonen
– in verkehrsberuhigten Bereichen
– auf öffentlichen Veranstaltungen, Märkten, Festen sowie  Versammlungen im Freien
– in unmittelbarer Nähe von Kinderspielplätzen

In den dicht besiedelten Wohngebieten der Stadt, die außerhalb des Altstadtringes liegen, besteht also keine generelle Leinenpflicht, ebenso wenig wie in vielen Stadtparks. Im dünn besiedelten Haidmühle aber schon? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit?

Der Serice der bayerischen Verwaltungen gibt diese Empfehlung: „Der räumliche und zeitliche Geltungsbereich der Verordnung ist auf die örtlichen Gegebenheiten abzustimmen, wobei auch dem Bewegungsbedürfnis der Hunde ausreichend Rechnung zu tragen ist.“

Viertens: Leinenpflicht grenzt an Tierquälerei

Unerzogene Hunde (und das liegt immer an den Besitzern, nicht an den Tieren) gibt es leider immer mal. Bevor ich einen Hund bekam und feststellte, was für wunderbare und liebenswerte Tiere das sind (wirklich!), hätte ich vielleicht auch bei Problemen überreagiert und gesagt „Jetzt reicht’s, wir brauchen eine Leinenpflicht“.
Das wäre aber eine unangemessene Strafe für alle gut erzogenen Hunde (und Hundehalter). Eine generelle Leinenpflicht bestraft ALLE Hunde (über 50cm, oder, laut Mitteilung, auch kleinere Hunde, die beispielsweise ein Schäferhundmischling sind) und deren Besitzer.
Ein Hund muss sich nun einmal bewegen und laufen können. Das kann er an der Leine nicht. Hier erzwingt man eine nicht artgerechte Haltung. Und das ist nun mal Tierquälerei. (Der Verwaltungsservice Bayern weiß das.)

Zusammenfassend: Haidmühle hat allerlei Probleme zu lösen. Hundehalter zu vergraulen ist nicht das, was wir tun müssen.

Ich weiss nicht, vom wem und von wann diese Leinenpflicht stammt. Die neue Bürgermeisterin würde aber Klugheit, Weitsicht und Achtung vor dem Tier beweisen, wenn sie diese traurige und schädliche Verordnung streichen würde.

Zusatz vom 8.8.2015:
In unserer Hundehaltungsverordnung heißt es:
„Gemäß Hundehaltungsverordnung sind … große Hunde mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 cm …  an einer Leine zu führen. Als große Hunde gelten stets erwachsene Tiere der Rassen bzw. Mischlinge von Schäferhund, ….“

Ein 25cm hoher, erwachsener Dackel-Mischling mit 1% Schäferhundanteil würde also unter diese Verordnung fallen, denn: „Als große Hunde gelten stets erwachsene Tiere der Rassen bzw. Mischlinge von Schäferhund…“
Das ist eine sinnlose Aussage. Wie will man auch nachwiesen, ob in einem Mischling Anteile der genannten Hunderassen stecken?
Gen-Tests auf den Wanderwegen?
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Diese Hundehaltungsverordnung ist nicht durchdacht.

Sie besteht übrigens immer noch.


Malcolm Gladwell befasst sich in einem Kapitel dieses Buches auf differenzierte Weise mit diesem Thema. Zur Lektüre empfohlen.

Foto: Tim Dawson auf Flickr

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9 Antworten auf „Folgen des Leinenzwangs für die Gemeinde [update]“

  1. In dieser Diskussion wurde auch gesagt, dass man dann halt auf Gäste verzichten soll, die Hunde haben. Bei den spärlichen Touristen, die sich in der Gemeinde Haidmühle noch verirren, ein sicherlich sinnvoller Beitrag. Schaut einfach nach Mitterdorf, da hat man kapiert, wie man mit diesem Thema umgeht.

  2. Ein paar Fragen zum Nachdenken:
    – Wo, wenn nicht in der freien Natur sollen Hunde laufen, rennen, schnüffeln und spielen können?
    – Warum braucht eine Gemeinde, die überwiegend aus freier Natur besteht, eine Leinen-Verordnung?
    – Von wievielen Hunden reden wir im Fall der Gemeinde Haidmühle? Wieviele davon griffen im vergangenen Jahr Menschen an? Wie hoch waren die Ausfälle der Bauern auf Grund von Hundekot?

    Ein paar Fakten zum Nachdenken:
    – Hunde, die ausreichend laufen, rennen, schnüffeln und spielen können, sind artgerecht ausgelastet und zeigen höchst selten Verhaltensauffälligkeiten.
    – Hunde, die nicht ausreichend laufen, rennen, schnüffeln und spielen können, zeigen häufig Verhaltensauffälligkeiten.
    – Kinder, die mit Tieren (v.a. Hunden) aufwachsen, zeigen selten Verhaltensauffälligkeiten und haben ein besseres Sozialverhalten als Kinder, die ohne Tiere aufwachsen.

    Ein paar Analogien zum Nachdenken:
    – Es gibt viele unerzogene Kinder, die auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ihr Unwesen treiben. Also: Leinenzwang für Kinder!?
    – Auf den Wiesen der Gemeinde Haidmühle verrichten sehr viel mehr Wildtiere ihr Geschäft als Hunde. Wildschweine graben Wiesen auf. Also: Leinenzwang für Wildtiere!?
    – In den Wäldern der Gemeinde Haidmühle findet man immer wieder Menschenkot (Hunde finden diesen übrigens sehr schnell)! Hundebesitzer sollten den Kot ihrer Hunde aufheben und entsorgen. Also: Die Menschen, die in den Wald sch*** sollten ihren Kot ebenso in Tüten verpacken und nach Hause tragen!

    Wie schön war doch die Zeit, als die Gemeinde aus Bauernhöfen bestand, auf denen Hunde und Katzen friedlich zusammen mit ihren Menschen lebten und die Menschen ihre Tiere liebten. Ganz ohne Verordnungen! Es ist eine arme Welt, in der wir heute leben. Unser Glück haben wir selbst zerstört!

  3. In der Gemeinde Haidmühle sind Hunde leider nicht willkommen. Die Regelung zum Leinenzwang macht zudem deutlich, dass bei den Verfassern der Regelung wenig Hundesachverstand vorhanden war.

    Für mich sind die Konsequenzen einfach: Ich rate meinen Bekannten ab, hier Urlaub zu machen. Es gibt genug Gemeinden, in denen Urlauber mit Hunden willkommen sind. Dort geben meine Bekannten und ich gerne unser Geld aus.

    In der Gemeinde Haidmühle musste ich mich als „Futtermittelverunreiniger“ beschimpfen lassen, obwohl ich die Hinterlassenschaft meines Hundes beseitigt hatte!

    Die Gemeinde wäre meiner Meinung nach besser beraten, etwas gegen die Autofahrer zu tun, die mit hoher Geschwindigkeit im Wald auf Forst- und Wanderwegen fahren. Das würde die Qualität als Feriengemeinde sehr viel mehr anheben als unlogische Leinenzwangverordnungen.

    Aber wie gesagt: Unser Geld geben wir in Zukunft in anderen Orten aus.

  4. Is schon recht. Zu uns wollen ja so viele touristen und zuzügler, dass wir uns leisten können welche abzuschrecken. Lebt ihr überhaupt bei uns??? Dann solltet ihr mitbekommen haben, wie unsere touristenzahlen und die bevölkerungsentwicklung
    aussieht. Und falls nicht: erst mal informieren!
    Ausserdem ist es ein mist, alles überzuregulieren. Zuviel bürokratie wegen nebensachen.
    Die wichtigen probleme werden liegen gelassen. 🙁
    (Nein, ich habe keinen hund)

  5. ich schließe mich Thomas voll und ganz an! Wenn das das größte Problem ist! Zu uns kommen dann halt keine Hundehalter sondern Gäste, die das befürworten!

  6. Zitiere:

    „Zusammenfassend: Haidmühle hat allerlei Probleme zu lösen.“

    Das einzig positive, das ich diesem Beitrag abgewinnen kann, denn dazu gehören sicherlich keine belehrenden Diskusionen über Sinn und Zweck von Hundehalterverordnungen.
    Anscheinend habt ihr in Haidmühle wirklich keine anderen Probleme.

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