Krank im Wald, dem Bayerischen

Bleibens ruhig sitzen“ hab ich zu einer Person gesagt, die hinter mir auf einem Stuhl saß, an den ich leicht gestoßen war beim Anstehen am Buffet. Das wäre fast schief gegangen, und hätte auch sehr peinlich werden können..

„Ich bleibe eh sitzen!“ entgegnete mir prompt und mit fester Stimme die Dame, eine junge Frau, etwa 20 Jahre alt. Als ich mich umdrehte, erkannte ich das Malheur: das hübsche Mädchen saß im Rollstuhl! Ihr gegenüber am Tisch auch ein recht junger Rollstuhlfahrer, später erfuhr ich, dass das ihr Freund ist.

Wir alle sind momentan auf Reha in der Klinik am Geyerberg, Freyung. Mir selber fehlts nicht weit, hab nur ein Ersatzteil am Gerüst gebraucht (Hüfte), um wieder schmerzfrei gehen zu können. Aber die beiden hats ungleich schwerer erwischt, das hab ich dann erfahren: Motorradunfall, sie sind unverschuldet in ein Auto gekracht und beide schwer verletzt worden. Diverse Knochenbrüche, Wirbelsäulen- und Kopfverletzungen usw., so genau will ich das gar nicht wissen. Jetzt sind sie halt zusammen auf Reha, mit meinen besten Wünschen auf vollständige Genesung!

Wie antwortet man in so einer Situation? Mit Gestammel halt: Oh, Entschuldigung, das habe ich nicht so gemeint, wie es vielleicht klingt und bla bla..“ Das haben die beiden dann schon geglaubt und schnell zu lächeln begonnen, immerhin stehe ich ja gerade selbst mit den Krücken da. Als ich mich etwas gefangen hatte, hab ich dann hinzugefügt: „Vielleicht hätte ich besser sagen sollen, ‚Bleibens ruhig stehen‘ „, was dann sogar zu allgemeinem Gelächter geführt hat! Was lernt man daraus: Gut ist, wenn man trotzdem lacht!

Eine lange Einführung zu dem, was ich eigentlich berichten wollte! Wir leben ja hier im Bayerischen Wald, einem recht hinteren Teil davon sogar. Aber die medizinische Betreuung, wie ich sie gerade in mehreren Instanzen und für meinen Fall nötig halt erleben kann, gibt keinen Anlass zur Sorge, eher im Gegenteil: Nach Abstimmung mit meinem Hausarzt Dr. Baustädter, den habe ich auch gewählt wegen für mich optimaler Öffnungszeiten, habe ich mich zu der Hüft-OP entschieden. Auch auf private Empfehlungen hin begab ich mich in die Obhut von Dr. Schmid, ein weithin anerkannter Prothetik-Profi und Hauptoperateur am Waldkirchener Krankenhaus. Mutig, ich bin fast 40 Jahre nicht mehr Kunde in einem Krankenhaus gewesen! Der Betrieb in Waldkirchen, den ich ja bei vollen geistigen Kräften betreten habe, funktioniert trotz verunsichernder Meldungen in der Vergangenheit, bestens. Das gesamte Personal, Reinigungs-,Verwaltungs,- und natürlich das Pflegepersonal, war freundlich, aufgeschlossen und zuvorkommend, gerade so wie man das in einem Hotel möchte! Das Ärzte- und Therapeutenteam hat mich vor und sofort nach dem Eingriff bestens auf die jeweilige Situation vorbereitet und mir immer top Hilfestellung gegeben, um rasch wieder auf die Beine zu kommen. Erste Übung am Tag danach: A..backen zusammenkneifen, um die Muskulatur gleich wieder anzuregen. Das hat hervorragend geklappt, so gut, dass die eher schon bremsen mussten, damit die für den Heilverlauf nötige Zeit bleibt. Ein (gutgemeinter) Rüffel von Dr. Schmid war auch dabei, weil ich zu aktiv und sorglos war! Essen ist sowieso gut und reichlich.
Das Krankenhaus in Waldkirchen funktioniert also tadellos, die Spezialisierung auf Hüfte/Knie tut natürlich sein Übriges, alle spezifischen Betten, Apparate, Gehhilfen waren immer prompt vorhanden und die Pflegekräfte so speziell geschult, dass mir fast keine Frage mehr für die Ärzte übrigblieb. Sowas haben wir im Hinteren Bayerischen Wald!
Als Folgemaßnahme nach erfolgreicher Erstheilung steht bei Hüfte und Knie die stationäre Aufnahme in einer Rehaklinik auf dem Programm, man darf sogar auswählen! Hab mich wegen meiner Viecher (und meiner Frau) für das Heimatnahste entschieden, die Klinik Bavaria am Geyersberg in Freyung. Und auch hier geht es mir sehr gut, Unterbringung, Betreuung und Behandlungsprogramm sind tadellos. Die Patienten kommen aus ganz Bayern hierher, habe am Esstisch nur positive Meinungen vernommen. Viele wollen ihren Aufenthalt sogar verlängern – denen geht’s wohl zu gut hier!?
Zur Küche, mir immer sehr wichtig fürs Wohlbefinden: es kocht hier eine echte Haidmühlerin, noch Fragen? Trotz der Maßgabe auf gesundes, ausgewogenes, fettarmes,.. Essen wird abwechslungsreich und reichlich gekocht, immer mit Salatbuffet (siehe ganz oben), Obst und Suppen, da wird jeder satt und auch gesprächig!

Und zur völligen Genesung haben wir ja noch die reine Bayerwaldluft fern der Ballungsräume, und die ist in Haidmühle/Bischofsreut sogar noch ein bisschen besser als in Freyung, glaube ich..
Die junge Frau kam letztens auf Krücken in den Speisesaal, noch etwas wackelig zwar, aber auch das wird wieder, es schaut gut aus, und sie hat mir sogar zugelächelt, ihr Freund auch.

Ach übrigens: falls sich jemand fragen sollte, was diese völlig subjektive und unvollständige Ausführung zu einem (meinem) Krankenhausaufenthalt in FRG im Haibischl zu suchen hat, so sei gesagt, wir Haibischl-Autoren wollen nicht belehren, sondern auch unterhalten, und nicht jeder Beitrag ist gleich gut gelungen, wir sind ja nur völlige Laien. Wem also der Beitrag so gar nicht gefällt, der soll ihn halt auslassen. Und wenn man ihn gelesen hat und ihn dann erst nicht lesenswert findet, dann muss man deswegen sein Leben nicht neu sortieren! Dazu muss man nicht blank hasserfüllte Botschaften rauslassen und den Rechner neu formatieren oder so, überlesen und auslassen reicht, lieber Reinhold! Haibischl kann eine so tolle varianten- und themenreiche Plattform sein, viele auswärtige Leser bestätigen das und schauen gerne rein! Ich kann halt nur mehr oder weniger Natur- und Bilderthemen, aber der Kommentar zum Hamburg-Artikel ärgert mich, ehrlich. Daher auch dieser Text, da schäm ich mich nicht für. Ausserdem sind neue, bessere und „dorfbezogenere“ Schreiber jederzeit willkommen, es mag nur keiner. Lästern schon.

Diesen Beitrag teilen mit:

2 Antworten auf „Krank im Wald, dem Bayerischen“

  1. Bei so viel Positivem ist es nur Schade, wenn dann das KH Waldkirchen demnächst umgewandelt wird (oder ist das schon passiert?) bzw. wichtige Funktionen verliert, trotz Bürgerprotesten und allen Bemühungen lokaler Politiker.

  2. Schön das es dir wieder so gut geht, weiterhin alles Gute bei der Genesung, dann kannst bald wieder rumrennen oder wegrennen *g*.
    Sonst geb ich dir auch recht..manche werden es nie kapieren das es auch ein Leben außerhalb Bischofsreuts gibt ob nun besser oder schlechter ist jedem selbst überlassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.