Nachwuchsförderung

Martin schrieb hier übers‘ Feuermachen und Franz kommentierte: „Wenn das mit der Verstädterung und Virtualisierung so weitergeht, muss wohl irgendwann einmal Zwangsurlaub in Haidmühle eingeführt werden, um solche Fertigkeiten und Kenntnisse zu erwerben!“

In der Tat, das könnte man touristisch nutzen („Lernen, was Opa noch wusste“), so wie man etliche Konzepte entwickeln könnte, um den Tourismus bei uns anzukurbeln. So vieles ist ganz offensichtlich dazu geeignet in unserer Gemeinde.

Aber drehen wir die Sache einmal um, denn nicht nur naturnahe Themen sind für Kinder (und Erwachsene) relevant.

Wir waren neulich in München, um uns das Ballett Giselle anzusehen.

Das war eine hübsche, romantische Darbietung der Staatsoper, die Tänzer waren hervorragend. Ich kann die Aufführung jedem Interessierten nur empfehlen, mir war sie aber zu operettenhaft. (Ich bewege mich hier allerdings auf dünnem Eis, bin ich doch nicht der allergrößte Fan des klassischen Balletts. Noch heute erinnere ich mich nur ungern einer „Spitzenleistung“ meinerseits, als ich nämlich vor rund 20 Jahren bei einer Vorführung des Schwanensee im Moskauer Kreml einschlief…*
Viel besser gefällt mir modernes Ballett, das eher den unnachgiebigen Realismus unserer Zeit zeigt (stimmt das überhaupt, frage ich mich gerade). Hier habe ich auf die Schnelle ein Beispiel herausgesucht.

Wie dem auch sei, hier geht es nicht um das Ballett, sondern um dessen Publikum.)

Im Publikum saßen, zu unserer Verblüffung, ganz besonders viele Kinder.

Im Bild ganz oben sieht man es ein wenig.
Das ist etwas besonderes, denn meistens sehen wir in klassischen Konzerten etc. hauptsächlich (leider) ältere Herrschaften. („Silbersee“).

Silbersee bei einem Kammerkonzert im Cuvilliés-Theater
Silbersee bei einem Kammerkonzert im Cuvilliés-Theater

Nun war es eine Nachmittags-Vorstellung, und ein Ballett, trotzdem: Hier werden Kinder an Kultur herangeführt.

Das ist gut, denn eine feste kulturelle Grundlage ist für die Charakterentwicklung förderlich. Aber nicht nur dafür. Ich entsann mich während Giselle eines Artikels, in der FAZ glaube ich, über die Führungsschicht in deutschen Unternehmen, in dem darauf hingewiesen wurde, dass die meisten in der oberen Ebene aus dem gebildeten Bürgertum stammen (was sich sicher ändern wird mit der Zeit…). Der Artikel argumentierte -sinngemäß-, dass eine Führungskraft sich gerne mit Leuten auf Augenhöhe umgibt und dass man, da man von den Eltern bereits mit Wagner et al. bekannt gemacht wurde, sich mit Personen umgeben will, die ähnliche Vorlieben teilen.

So, da haben wir‘s mal wieder: Kulturelle Bildung fördert die Karriere.

„Aber das geht doch bei uns nicht. Wir leben doch im Wald!“

Ja, tun wir (gut so!), aber auch in unserer Nähe, z. B. in Passau, machmal sogar in Bischofsreut zu Neujahr, gibt es Hochkultur. Und die meisten Opern kenne ich beispielsweise von DVDs (ich weise hier besonders auf den „Kupfer-Ring“ hin!).
Trotz unser „naturnahen Lage“ können wir den Nachwuchs an Kultur heranführen.

 


* Um mich übrigens vollends zu blamieren, sollte ich noch zugeben, dass mich während der gesamten Giselle andauernd der Gedanke beschäftigte, dass die männliche Hauptfigur (der Primoballerino) im Rahmen der bevorstehenden Weihnachtsbäckerei die Haselnüsse durchaus mit seinem bemerkenswerten Hintern knacken könnte.
Soviel zu „Hochkultur“…

P.S.: Nebenbei: Während ich dies hier schreibe, höre ich Blazhenstva von Alexander Knaifel („…suddenly we encountered a new visionary“). Ein grandios schönes Stück, in dem so gut wie nichts passiert . Falls Sie einem Klassikfreund, der „schon alles hat“ etwas zu Weihnachten schenken wollen, das wäre eine gute Idee.

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