Nicht-Gesagtes und Gesagtes – Nachlese zur Tanzveranstaltung bei Toni Kirchmair

Ein ausgesprochen schöner Tag war der 22. Januar. Die Sonne strahlte von einem makellos blauen Himmel und ließ die prächtige Winterlandschaft glitzern und gleissen. Schön ging es auch drinnen im Haus weiter.
Vier Tänzerinnen – Simone, Susanne, Ulli und Christine – traten auf, um die rund 50 Gäste zu erfreuen und zu inspirieren. Laien, mit Herz und Leidenschaft. Sie haben ein „normales“ Leben neben dem Tanz, aber das Leben mit dem Tanz lässt die Gesichter leuchten, die Körper sprechen. Tanz aus Leidenschaft, Tanz aus Freude, Tanz aus Lebenslust. Ausdruck menschlicher Emotionen, Lebensenergie, Eleganz, körperlicher Vitalität und Sinnlichkeit.
Schön anzuschauen und sprechend abseits der Sprache.

Im Gegensatz und in der Ergänzung dazu Toni Kirchmair (auch) als Mann der Sprache. Immer wieder las er zwischen den Tanz-Episoden aus seinem Werk „Drei Silben“, die Begegnung eines jungen Seemanns mit einer exotischen, vollkommen neuen Welt. Eindringlich lyrische Prosa, die lange nachwirkt. Und vortragen, das kann er, der Toni. Es sprudelt, es gedeiht, es lebt. Da sitzt er, trinkt seinen grünen Tee, liest und würzt die Lesung mit weiteren Geschichten aus seinem Leben.

Und während man so zuhört, denkt man „ja, genau so war’s“, auch wenn man das Gehörte selbst nicht in seine Worte fassen könnte. Und ja, die Musik war in der Tat früher allgegenwärtig, man sang mehr, man tanzte mehr, man feierte mehr, man traute sich auch mehr zu. Als Toni zwei Mädchen bat, ein Lied zu singen, saßen die beiden schüchtern da und … trauten sich nicht. Jeder Erwachsene im Raum hätte sich auch nicht getraut, wir alle haben zu viel Angst, lächerlich zu wirken, zu versagen, nicht „konform“ zu sein. Allein schon deswegen sollten wir uns an Toni ein Beispiel nehmen … er ist so gar nicht konform, er IST einfach, und das ist gut so. Für ihn persönlich, aber auch für uns alle in der Gegend. Es müsste einfach mehr „Tonis“ geben, dann wäre die Welt ein klein wenig bunter, spontaner, lebendiger und schöner.

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