Spritztour in den Wald

Bei meinen Radtouren durch den Forst habe ich auffällig viele Holzlager gesehen mit einer mir noch unbekannten Markierung: roter Kreis mit roten Kreuz. Auf die Frage an einen Waldarbeiter was die Markierung bedeutet war die Antwort: „das sind mit Insektizid behandelte Baumstämme deshalb sollte in dieser Gegend niemand unterwegs sein!“ Auf die weitere Frage wer in unserer Bevölkerung bzw. unter den Touristen über die Bedeutung dieses Warnhinweises Bescheid weiß war die wenig befriedigende Antwort: „vermutlich kaum einer!“

In diesem Zusammenhang kamen mir dann noch eine ganze Menge andere Fragen in den Sinn:
Ist es gerechtfertigt, dass mit Insektizid behandelte Bäume direkt an der Straße für Forstarbeiten bzw. für Wanderer und Radfahrer nur wenige Meter vom Kreuzbach gelagert werden? Ich dachte immer bei Gewässern müssten größere Mindestabstände eingehalten werden!?

Holzlager am Kreuzbach
Holzlager am Kreuzbach

Warum müssen viele Hundert gefällte Bäume mit giftigem Insektizid gegen den Borkenkäfer besprüht werden? Es heißt laut Forstangaben, Insektizideinsatz soll nur stattfinden, wenn es keine anderen Möglichkeiten mehr gibt. Es gibt doch Entrinden und Nasslagerung als ökologische, giftfreie Alternativen. Oder gehen hier die höheren Kosten für diese Alternativen vor den Gesundheits- und Umweltschutz?

Warum werden behandelte Bäume mit rotem Kreis und Kreuz markiert und nicht mit einem offiziellen Gefahrenhinweis rotes Viereck mit Kreuz? Oder sollte Kreis mit Kreuz eine andere Bedeutung haben als die unten im Foto dargestellte?
Außerdem ist mir von früher her bekannt, dass neben der Gefahrenmarkierung auch noch das Datum der Anwendung vermerkt war. Gilt diese Regelung nicht mehr oder hat sich in der Gefahrenkennzeichnung generell etwas geändert?

Warnschild
Warnschild

Warum werden Feucht- bzw. Moorgebiete durch große Maschinen (z.B. 40 t Harvester) schwer beschädigt oder sogar zerstört (Bodenverdichtung und starke Eingriffe in natürlichen Wasserverlauf, etc.), wenn gleichzeitig zum Beispiel ein EU Programm viel Geld einsetzt zur Renaturierung von Mooren in unserer Gegend und wo bekannt ist, dass Moore noch wesentlich mehr CO2 speichern als Wald?
Noch vor einigen Jahren wurden nach Sturmschäden bzw. Borkenkäferbefall für die schonende Waldbewirtschaftung in unserer Gegend sogar Preise verteilt!

Bei den auf meinen Touren erblickten Rückewegen wurden sie nur in der Nähe von Wanderwegen – soweit sie vom Weg einsehbar sind – wieder in Ordnung gebracht? Ist das überall so oder ist das Zufall? Auf den Infotafeln des Staatsforst ist die Schadensbehebung jedenfalls versprochen.

'reparierter' Rückeweg
‚reparierter‘ Rückeweg
Staatsforst Hinweistafel
Staatsforst Hinweistafel

Es heißt, dass man mit dem Schlagen und Abtransport von Käferholz nicht mehr nachkommt, gleichzeitig werden jedoch sogar eher rare, augenscheinlich gesunde Buchen und sogar kleine Birkenwäldchen abgeholzt?

markierte Buchen
markierte Buchen

Warum werden Käferbäume zum Entnehmen markiert und erst 7-8 Wochen oder noch später gefällt? Käferbäume sollten doch spätestens innerhalb von fünf Wochen entnommen werden, da sonst die Borkenkäfer wieder ausfliegen. Oder ist diese Information falsch?

Nach der Baumentnahme sollte aufgeforstet/verjüngt werden, sinnvollerweise mit mehr resilientem Mischwald. Bisher habe ich noch kein größeres derart innerhalb der letzten Jahre aufgeforstetes Projekt gefunden!? Oder soll es eine natürliche Verjüngung geben? Dies würde aufgrund der vorhergehenden extremen Fichtenbepflanzung vermutlich wieder zu starkem Fichtenbewuchs führen, oder(?).

Wie in einer kürzlichen Dokumentation bei ARD oder ZDF festgehalten hat die Bundesregierung 2007 als Ziel vorgegeben, dass bis 2020 5 % des deutschen Waldes naturbelassen sein sollen. Wie so vieles wurde auch dieses Ziel nicht erreicht!
Bayern spielt dabei innerhalb Deutschlands das unrühmliche Schlusslicht. Nur 1,3 % der Bayerischen Wälder sind naturbelassen! Wie kann es so etwas geben, wo doch seit 40 Jahren in Bayern offiziell z.B. die Devise ‚Mischwald‘ ausgegeben wird?

Nachdem was ich so die letzte Zeit gesehen habe und was mir so erzählt wird drängt sich mir der Eindruck auf als würde im Staatsforst daran gearbeitet diese niedrige Quote noch weiter zu senken bzw. im Sinne der Gewinnmaximierung und der abzuliefernden Erfolgszahlen den Wald generell zu dezimieren. Das kann ich einfach nicht glauben!!

der viel gerühmte und gerne bewanderte Industriesteig – für wie viele Jahre nicht mehr begehbar
Der viel gerühmte und gerne bewanderte Industriesteig – für wie viele Jahre nicht mehr begehbar?

Mir ist auch nicht bekannt welche Maßnahmen die Gemeinde, der Landkreis, die Regierung von Niederbayern oder die bayerische Regierung zum Schutz des Waldes bzw. der Bevölkerung ergreifen kann bzw. ergriffen hat. Vielleicht tut sich da ja etwas, außer dem üblichen Gerede..?

Alles was den Wald angeht bin ich interessierter Laie. Vielleicht stelle ich deshalb Fragen die jemandem vom Fach unsinnig oder widersprüchlich erscheinen bzw. der folgerichtige, ökologisch sinnvolle Antworten darauf geben könnte.
Deshalb wären ich und vermutlich viele Bürger sehr dankbar, wenn jemand mit mehr Kompetenz im Kommentarteil zum Artikel entsprechende Anmerkungen und Antworten zu diesen Fragen geben würde.

Hochinteressante Informationen zum Wald gibt es z.B. beim Bundesamt für Naturschutz – BfN – im Positionspapier ‚Wälder im Klimawandel‘

Nachtrag: Sind die bayrischen Staatsforsten speziell im unteren bayrischen Wald eigentlich zertifiziert? Z.B. nach PEFC. PEFC ist nach eigenen Angaben die größte Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifizierungssystem und der größte Teil des deutschen Waldes soll bereits zertifiziert sein.

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2 Antworten auf „Spritztour in den Wald“

  1. Sehr geehrter Herr Kies,

    dies halte ich für dringende Fragen an den zuständigen Förster/Forstamt. Dort wird Haibischl vermutlich nicht einmal gelesen. Bitte leiten Sie doch Ihre obige Mitteilung direkt weiter mit der Bitte um Antwort und Nachbesserung. Den Schriftverkehr würde ich mit entsprechender Ankündigung ebenso öffentlich über Haibischl verlaufen lassen.

    Herzliche Grüße
    Sabine Escucha Schneider

  2. Die Häufigkeit der Pestizideinsätze im Forst ist mir auch aufgefallen. Mir ist auch klar, dass in Ausnahmefällen Holz gespritzt werden muss, doch in diesem Jahr hatten wir anscheinend erschreckend viele Ausnahmefälle.
    Da in diesem Ausmaß zu solchen Mitteln gegriffen wird, entsteht doch der Eindruck, dass man sich die Arbeit so erleichtert, überfordert ist oder ein anderes Problem hat.
    Eigentlich sollte ein Staatswald vorbildlich bewirtschaftet werden,
    doch „Nachhaltig Wirtschaften“ ist das jedenfalls nicht!

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