Wandern auf den Lusen

Vom Teufelsloch zur Himmelsleiter:

Gestern war ein schöner sonniger Herbsttag . Und weil dies in den eher kühlen Septembertagen in diesem Jahr die Ausnahme ist, packten wir die Gelegenheit beim Schopf, um auf den Lusen zu wandern.

Allein das Wort „Lusen“ … „Lus a mal“, sagte meine Großmutter aus der Oberpfalz immer, und meinte „hör zu“. So ist das Wort „Lusen“ sicherlich verwandt mit dem englischen Wort „listen“ … ein Sprachforscher könnte nun zweifellos sehr viel mehr zu dieser interessanten Verwandtschaft sagen, aber wir wollen wandern und keine Wissenschaft betreiben.

1373 Meter hoch ist dieser Hügel, der anmutig aus der Landschaft steigt, und eher harmlos aussieht. Aber, der gesamte Bayerische Wald lebt von Understatement, so auch der Lusen.

Los geht es, fast 600 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Wir wandern los vom Parkplatz an der Fredenbrücke bei Waldhäuser, und zunächst lässt sich alles noch recht gemächlich an. Wir gehen auf einem weichen, sanft ansteigenden Waldweg, rechts und links Laubwald, das gemütlich rauschende Bächlein „Kleine Ohe“ begleitet uns, kaum jemand ist unterwegs, himmlische Ruhe und eine wunderbare Luft tun unserem Gemüt gut.

Etwa eine halbe Stunde später taucht die einst zur Holzdrift erbaute Martinsklause auf, ein malerisch gelegener Stausee mit Bänklein am Ufer, auf denen sich gut verweilen ließe. Aber uns drängt es weiter nach oben. Allmählich wird der Pfad schmaler, steiniger, steiler. Uns und unserem Hund hängt alsbald die Zunge aus dem Hals und das spöttische „ist doch nur ein Mittelgebirgsberg“ würden wir so nicht mehr so vorschnell äußern. Wir reden nur noch das Notwenige miteinander, um unseren Atem zu sparen. Nun sind wir ja keine 20 mehr und somit froh um unsere Wanderstöcke, denn die Felsstufen werden höher und damit schwieriger zu ersteigen.

Schließlich erreichen wir das „Teufelsloch“, eine Senke (manche sagen Schlucht dazu, aber das ist dann doch etwas anderes), in die man erst hinab und dann wieder hinauf steigt. Schweißtreibend. Und dann geht es einfach immer weiter bergauf und immer weiter.

Irgendwann mündet der unebene steinige schmale Pfad in einen geradezu luxuriös breiten Weg, wir freuen uns … das Schlimmste scheint überstanden, denn der Berggipfel taucht vor uns auf, samt Gipfelkreuz. Zum Greifen nah. Das schaffen wir auch noch. Ja, und dann … steht man vor der „Himmelsleiter“. Das sind steile, holprige Steinstufen, die schier endlos scheinen … in der Tat, es sind 500 Stufen, wie ich heute nachgelesen habe. Es geht hinauf und hinauf … und schließlich ist die Treppe doch zu Ende und man steht vor einem Gesteinsmeer aus Granitblöcken, über das man noch gehen muss, um an den Granitblock-Zuckerhut-Gipfel zu gelangen.

Der Wind bläst so stark, dass es mir nicht gelingen will, das Gipfelkreuz zu fotografieren, alles verwackelt, aber egal. Wir sind oben und werden belohnt mit einem grandiosen 360 Grad-Panoramablick. Wunderschön!

Auf der anderen Seite liegt das Lusen-Schutzhaus, dort löschen wir erst einmal unseren Durst und essen etwas, ehe es über den bequemen Winterweg zurück geht zum Ausgangspunkt. Das Wetter hat sich mittlerweile von warm und schön drastisch in stürmisch, kalt und regnerisch gewandelt. Aber wir sind ja hart im Nehmen … auch wenn wir schließlich froh sind, als das Auto in Sicht ist. Müde sind wir, aber zufrieden.

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4 Antworten auf „Wandern auf den Lusen“

  1. Liebe drei Kommentatoren, da ist es mir doch glatt geglückt, wenigstens einen von Euch zu motivieren, auf den Berg zu steigen. So war’s gedacht. Wir arbeiten noch ein wenig an unserer Kondition (die ist miserabel!) und dann geht’s auf den Rachel. Bericht folgt!
    Liebe Grüße von Angelika

  2. Noch gerne erinnere ich mich an meine „Erstbesteigung“während eines wunderschönen Bayerwald Urlaubs vor nunmehr 30 Jahren. Die „Teufelsleiter“ hat es aber wirklich in sich , dafür wird man mit einem wundervollen Rundblick belohnt. Eine wirklich sehr empfehlenswerte Wanderung. Für die schöne Beschreibung Dank an Angelika.

  3. Also wir haben den runden Berg heute genommen, kurzentschlossen trotz Regenwarnung. Allerdings erst ab der Kirche von Waldhäuser, und hinauf mit dem Igelbus – das kostete 7,- und war der einzige Fehler. Der Rundweg „Luchs“ mit aufwärts Sommer- und runter Winterwanderweg ist in 60+30 min zu schaffen! Zurück zur Kirche sind wir dann (30min)gelaufen, das geht leicht. Eine sehr schöne Wanderung, speziell an der Himmelsleiter! Und schwierig oder gar gefährlich ist das nicht.
    Empfehle für Ungeübte wie wir: kurz vor 9:00 Uhr die Straße ganz hochfahren (weil Sperrung nur 9:00-16:00), dann gemächlich den Sommerweg hoch, einen Kaffee und wieder runter – und so hat man was tolles erlebt und der Nachmittag ist sogar noch frei!

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