Wußten Sie schon: Kobold-Gemeinde Haidmühle

Kürzlich wurde im Gemeinderat über ein großes Euregio-Projekt zur regionalen Attrakivitätssteigerung beraten. Das Vorhaben, bekannt geworden und schon verrufen unter dem Namen „Kobold-Gemeinde Haidmühle“ wurde vom Duo Sammer / Sellner in mehr als einem halben Jahr Vorarbeit ausgearbeitet und zur Antragsreife gebracht.

Jetzt hat es der Gemeinderat per Mehrheitsbeschluss abgelehnt. Lesen Sie dazu auch den ausführlichen Beitrag im Lokalteil der Passauer Neuen Presse vom Mi., 05.10 16., daraus können Sie auch die „wichtigen“ Zahlen und Fakten entnehmen.
Hier möchte ich ein paar zusätzliche Informationen zum Projekt selber geben, in Kurzform nach der bewährten Wussten-Sie-schon-Methode, natürlich abgeschaut vom Bischofsreuter Nachrichtenblatt ..

Wussten Sie schon, daß

  • in dem Projekt versucht wurde, möglichst allen Gemeindeteilen gerecht zu werden mit Anbindung und Investitionen
  • die grenzüberschreitende Einbindung derPartner Gemeinde Stozec (Tusset) und Nationalpark Sumava eine Grundvoraussetzung für die Anerkennung und Förderung von Euregio war. Die Kontakte hierzu hat Sem Sellner geknüpft, die tschechischen Partner sind entgegen mancher Befürchtungen mit sofortiger Bereitschaft und Elan dabei gewesen. Eindrucksvoll auch die prompte Zustimmung des großen Partners Sumava, dessen Direktor Pavel Hubeny, ein sehenswerter Naturbursche mit wildem Haar und Bart, hat sich persönlich in Tusset von der Sache informiert und seine Unterstützung zugesagt. Das hat sogar die Bürgermeisterin von Stozec, Frau Stanzovska, positiv überrascht. Der Gemeinderat von Stozec hat auch schon zugestimmt, ohne Gegenstimme.
  • es von tschechischer Seite auch schon Bemühungen bezüglich Euregio gibt, es sollen im Raum Tusset spezielle Einrichtungen für sehgestörte und blinde Mitmenschen errichtet werden, um einen naturnahen Urlaub für diese Gruppe und ihre Angehörigen zu ermöglichen! Das ergänzt sich natürlich mit unserer kinder- und behindertengerechten Planung, möglichst viele Elemente sollen barrierefrei oder zumindest -arm ausgeführt werden.
  • in dem Projekt Landschaftseinrichtungen geplant waren, die eben für obige Zielgruppe, für Familien und Kinder- und Jugendgruppen attraktiv sind. Alles förderlich für den sanften Tourismus, so soll dieses Standbein der Gemeinde wieder gestärkt werden.
  • die Auffrischung des Märchenwalds mit modernen Märchengeschichten, Kobolderzählungen und behindertengerechten Spielgeräten sowie Wegeanbindung an den Witikohof geplant war
  • das Steinköpfel bei Bischofsreut samt Waldspielplatz und Waldlehrpfad reaktiviert werden sollte, mit „Kobold-Ausguck“ ins Tschechische.
  • in Haidmühle das Thema Wasser mit ausgedehnten Spiel- und Erlebnisbereichen einbezogen werden sollte. Mit dem See, Mirasat oder Moldau stehen mehrere örtliche Varianten zur Auswahl, am besten alle. Wasserspielplätze sind superattraktiv!
  • mehrere Wanderwege und -Steige auch nach Tschechien, meist auf bestehenden, aber oft vergessenen Trassen aktiviert werden sollten, zur Kindermotivation etappenweise ausgestattet mit Kobold-Lehrtafeln und phantasievollen Stationen
  • viele natürliche Besonderheiten wie große Bäume, Quellen, Ausblicke usw. hervorgehoben und erwanderbar gemacht werden
  • die teils weit verteilt liegenden Stationen je nach Bedarf mit einer mobilen Tourist-Info angefahren werden sollen, natürlich geht da nur ein Knaus-Mobil, auch als beiderseitige Werbung für unseren bedeutendsten Arbeitgeber Knaus-Tabbert!
  • einige Themen zur Land- und Forstwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz aufgezeigt und spielerisch erklärt werden: Steinriegel, Auen, Moorgebiete, auch Totholzbereiche, umgebrochene Wildschweinacker uvm. werden gezeigt und ihre Rolle beim Artenschutz und Erhalt der Artenvielfalt beschrieben , oft mit Hilfe kleiner Koboldgeschichten
  • das Projekt ein Volltreffer Richtung federführender grenzüberschreitender Zusammenarbeit geworden wäre, die Idee hat auf beiden Seiten der Grenze erstaunliche Vorschußlorbeeren erhalten und viele offene Türen eingerannt.
  • wir halt vor dem Problem stehen: können wir uns das als kleine Gemeinde trotz der üppigen Förderung von 85% leisten, gerade auch den langfristigen Unterhalt?
  • wir auch nicht wissen, ob der Aufwand honoriert wird und der Urlauberschwund damit aufgehalten werden kann. Hierzu müssten sich doch eigentlich lautstark unsere Beherbergungsbetriebe, Gaststätten und Geschäfte zu Wort melden, oder ist der Zug schon abgefahren und wir schon tot auf Zeit?

Jetzt wissen Sie etwas mehr, aber noch lange nicht alles.

Ich bin auch Vermieter, ich sehe den elementaren Vorteil des „Alleinstellungsmerkmals“ für unsere Gemeinde, ein geschundenes Wort, und begrüße das Projekt in wesentlichen Teilen, auch wenns riskant erscheinen mag. Und mit den Kobolden Jiri und Jakob hab ich gar kein Problem, die machen es erst besonders.

Es fehlt an Alternativen, erst Recht förderfähigen. Eins ist sicher: Alleine stellen wir gar nichts auf die Beine

P.S. : habe in einem Leserbrief an die PNP die endgültige Ablehnung als Fehler (auch eigenen) angeprangert und fordere einen Runden Tisch mit allen Beteiligten, mal schauen, was daraus wird.

 

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2 Antworten auf „Wußten Sie schon: Kobold-Gemeinde Haidmühle“

  1. Hallo Martl.
    Deine Erläuterungen hören sich schon schön an, wenn man sie so liest und malen uns ein beeindruckendes Bild von dem, das uns hier augenscheinlich verloren gegangen ist.
    Aber bist Du wirklich der Meinung, dass das Projekt so wie beschrieben ausgeführt, es dann auch über viele Jahre in Stand gehalten worden wäre und die Kosten gedeckt hätte?
    Es gibt sicher einige Beispiele aus der Vergangenheit, die das widerlegen.
    Vielleicht macht das auch aus, dass bei vielen Bürgern einfach das Vertrauen in solche Vorhaben fehlt.
    Man sollte die vorhandenen Einrichtungen pflegen und erhalten. Das würde das Image der Gemeinde sicher steigern und die Bürger in ihrem Glauben an die Verwaltung festigen.
    Auf dem Papier sieht alles schön aus. Worte haben viel Spielraum. Wenn die Durchführung genau so durchgezogen wird, wie geschildert, dann nur zu. Aber hieran hatten wohl zu viele Zweifel, was die Abstimmung ja letztendlich gezeigt hat.

  2. Danke für die zusätzlichen Infos. Vieles davon war mir unbekannt! Selbst wenn jemand mit den Kobolden nichts anfangen kann oder Sorgen wegen des Eigenanteils der Gemeinde hat, so eine Chance darf man sich nicht entgehen lassen!! Damit wäre auch vieles finanziert was sowieso gemacht werden müsste, wenn Haidmühle nicht aussterben will! Das maximale finanzielle Risiko, d.h. wenn dieses Projekt überhaupt gar nichts bewirkt, total für die Katz ist, erscheint mir vergleichbar mit den letzten 4 Jahren Hallenbadbetrieb. Oder sehe ich da was falsch? Ein vertretbares Risiko meine ich im Vergleich zu den Vorteilen und der Möglichkeit zu einer Trendwende beizutragen! Oder steht da etwa ein Alternativprojekt im Raum von dem wir noch nichts wissen, denn nichts tun heißt zurückfallen???

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