Der Bund Naturschutz berichtet:
Die Renaturierung von Feuchtgebieten geht ins zweite Projektjahr -Erste Erfolge und die große Suche
Im Rahmen des Projekts „Lebensraumoptimierung für die Waldbirkenmaus“ werden bereits seit Anfang des Jahres 2025 durch den Bund Naturschutz (BN) zwischen Lusen und Dreisessel feuchte Lebensräume wiederhergestellt, in denen sich die Waldbirkenmaus wohlfühlt. Dadurch profitieren auch viele weitere Arten wie Randring-Perlmuttfalter und Hochmoor-Laufkäfer.


Die Waldbirkenmaus benötigt zum Überleben ein Mosaik aus feuchten, extensiv genutzten Wiesen und Weiden sowie Moore, Hochstaudenfluren, kurzrasige Bereiche aber auch alte Bäume und Gebüsche. Damit ist sie eine sogenannte „Schirmart“ für arten- und strukturreiche, naturnahe Feuchtgebiete. Solche allerdings sind in Bayern in den letzten Jahrzehnten bis auf kleine Reste zurückgegangen.
Ihr wichtigstes Verbreitungsgebiet in Deutschland hat die Waldbirkenmaus entlang des Grünen Bands an der bayerisch-tschechischen Grenze. Doch die räumliche Isolation und schleichende Verschlechterung ihrer Lebensräume sind eine akute Gefährdung für den kleinen Nager.


Ziel des Projekts ist daher die Verbesserung der Lebensräume in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau sowie die Verbesserung des Verbundes untereinander und zu den Vorkommen in den Nachbarländern. Zudem wird erforscht, wie die Waldbirkenmaus im Jahresverlauf ihren Lebensraum nutzt, um so effektive Schutzmaßnahmen und Handreichungen zur Renaturierung und Pflege ihrer Lebensräume zu erarbeiten. Dank der bayerischen Förderung aus LNPR-Mitteln sowie der europäischen Förderung aus EFRE-Mitteln konnten im Projekt bereits auch mehrere Hektar Feuchtflächen angekauft werden, die damit dauerhaft für eine Wiedervernässung und für eine Optimierung der Lebensräume zur Verfügung stehen.
Im Team zum Erfolg
Beim dritten Treffen der projektbegleitenden Fachgruppe, die sich aus zahlreichen Experten und Expertinnen sowie lokalen Akteuren und Akteurinnen zusammensetzt, wurden im HNKKJ in Waldmünchen erste Erfolge präsentiert und weitere konkrete Schritte besprochen und abgestimmt. Mit der Umsetzung naturschutzfachlicher Maßnahmen zur Verbesserung der bekannten Waldbirkenmaus-Lebensräume wurde bereits im Frühjahr 2025 begonnen. Der BN arbeitet hierbei eng mit dem LBV, dem Naturpark und Nationalpark Bayerischer Wald, der Wildland-Stiftung, den Bayerischen Staatsforsten sowie der LWF zusammen.
So konnten z. B. wertvolle Feuchtlebensräume entbuscht und in Pflege genommen oder ein komplett verrohrter Bach wieder in einen mäandrierenden, naturnahen Bachlauf umgestaltet werden, an dessen Ufer die für die Waldbirkenmaus so wichtigen Hochstaudenfluren und Weidengebüsche wachsen können. Diese renaturierte Feuchtgebiete tragen zudem zur Verbesserung des Wasserhaushalts und zur Wasserrückhaltung in der Fläche bei – ein weiterer wichtiger Aspekt sowohl bei Starkregen als auch in Dürreperioden.
Bei der anschließenden Exkursion der Fachgruppe im Landkreis Passau wurden weitere Flächen mit hohem Potenzial besucht und zukünftige Pflegemaßnahmen besprochen.
Unterstützung gefragt!
Doch um die Waldbirkenmaus effektiv schützen zu können, muss ihre Biologie noch besser erforscht werden. „Mittlerweile haben wir schon eine ganz gute Vorstellung, wo die Art vorkommen kann und welche Ansprüche sie hat“, berichtet Tobias Windmaißer, Projektleiter vor Ort. Dennoch wären noch viele Fragen hinsichtlich der Nutzung ihrer unterschiedlichen Teillebensräume, beispielsweise während der Zeit der Jungenaufzucht oder des mehr als halbjährigen Winterschlafes, ungeklärt.
Zu diesen und weiteren Themen sollen im laufenden Projekt noch bis 2028 mehr Erfahrungen gewonnen und das Wissen gebündelt werden. Auch die Frage, ob die Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald wirklich nur in dem begrenzten Bereich zwischen Lusen und Dreisessel zu Hause ist, beschäftige Experten und Beteiligte nach wie vor. Gerade um dieser Frage weiter auf den Grund zu gehen, hat der BN einen Citizen-Science-Aufruf zur Meldung von Funden oder Hinweisen auf die Waldbirkenmaus gestartet. Aufgrund ihres dunklen Aalstriches ist die Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald kaum zu verwechseln. Sollten Sie in Ihrem Umfeld eine Waldbirkenmaus vermuten, bittet der BN um die Zusendung eines Fotos unter Angabe des Standorts. Auch ohne große Vorkenntnisse können Sie so einen wertvollen Beitrag zum Schutz der Art leisten!
Weitere Informationen zur Waldbirkenmaus und zur Meldung von Funden finden Sie unter: https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/waldbirkenmaus
Die durchgeführten Projektmaßnahmen dienen aber eben nicht nur dem Schutz und der Förderung der Waldbirkenmaus. Mit ihren hohen Ansprüchen an ein vielfältiges, naturnahes Landschaftsmosaik bedeutet ihr Vorkommen gleichzeitig die Erhaltung einer Vielzahl weiterer Arten mit ähnlichen Ansprüchen, wie zum Beispiel dem Randring-Perlmuttfalter.
Wer sich für Schmetterlinge und alles, was sonst so kreucht und fleucht, interessiert, kann sich auch hier durch die Meldung von Funden beteiligen. Dazu hat der BN einen BioBlitz mit dem Titel „Die faszinierende Welt der Schmetterlinge im Moor“ auf der bayerischen Webseite der Organisation Observation gestartet. Am Einfachsten können Funde über die Mobile App ObsIdentify gemeldet werden. Neben der Möglichkeit zur Bestimmung mittels KI, validieren Expertinnen und Experten alle eingegangenen Meldungen auf Basis der Fotos. So kann jeder zu einem besseren Verständnis der aktuellen Gefährdung und den Vorkommensschwerpunkten der Insektenarten im Gebiet beitragen und dabei ganz nebenbei sein eigenes Wissen über die Tier- und Pflanzenwelt im Bayerischen Wald verbessern.
Den BioBlitz „Die faszinierende Welt der Schmetterlinge im Moor“ finden Sie unter folgendem Link: https://bayern.observation.org/bioblitz/18479/die-faszinierende-welt-der-schmetterlinge-im-moor/
Ansprechpartner (auch für Fund-/Sichtungsmeldungen):
Tobias Windmaißer
E-Mail: gruenesband@bund-naturschutz.de
Tel.: 0171-8269739 (auch über WhatsApp)
Das Projekt „Optimierung und modelhafte Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen zur Förderung der Waldbirkenmaus am Grünen Band in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau im Kontext des grenzübergreifenden Biotopverbundes“ wird von Oktober 2024 bis Dezember 2028 durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbrauschutz (StMUV) gefördert und von der Europäischen Union (EFRE IBW Programm Bayern 2021-2027) kofinanziert.
Zum Bericht von März 2025 gehts hier

