Getreideanbau bei uns: ist das vertane Mühe?

Die Ackerparzellen in Langreut und Schnellenzipf unterscheiden sich kaum, nur im Namen: das eine sind „Schauäcker“, das andere „Schutzäcker“. Ihr Nutzen liegt nicht im möglichst hohen Ernteertrag, sie bringen aber dennoch vielfältigen Profit.

Die unterschiedlichen Bezeichnungen sollte man schon beachten, denn die Langreuter Schauäcker sind Bestandteil des Kulturlandschaftsmuseums rund um Bischofsreut, sind mitfinanziert von der Gemeinde  und können gerne besichtigt und auch begangen werden, wers mag. Die Flächen in Schnellenzipf leistet sich der Landesbund für Vogelschutz auf eigenem und aus gutem Grund, hier sollte man doch Rücksicht nehmen und sie nicht betreten.

Angebaut wird aber genau das gleiche Saatgut, nämlich Winterroggen, Leinsamen, Buchweizen und evtl. Hafer. Die Aussaat wird exakt vorgeschrieben, die verwendeten Mischungen werden gestellt, bzw. stammen aus eigener Ernte, da geht’s ganz genau! Wendende Bodenbearbeitung, sparsame Düngung, Fruchtfolge und regelmäßige Brache werden ebenso vorgegeben.  Genauere Infos im Internet unter Schutzaecker.de   oder beim LBV oder FNL erfragen.

Die Artenvielfalt machts! Dutzende seltene Pflanzenarten können nur in der Ackergesellschaft überleben, hier ein laienhaftes Foto-Beispiel:

Acker2Mitten im Roggenfeld stehen gut sichtbar gelb-weisse Ackerstiefmütterchen, die lila Kornrade und die blaue Kornblume. Diese „Unkrautblumen“ sind hier neben vielen weiteren unauffälligen und seltenen Ackerwildkräutern geduldet, gerade auf den Erhalt dieser Artenvielfalt ist das Projekt ausgelegt.

Gerne wollten Jäger im Schnellenzipf schon mal den Anbau mit Körnerspende „mitgestalten“ , so ein bischen  in Richtung Wildacker, aber da geht gar nichts. Trotzdem haben die Anbauflächen neben dem botanischen Hintergrund eine unheimliche Anziehungskraft für eine vielfältige Tierwelt, die sie nutzen als Deckung, zum Nahrungserwerb oder als Jagdgebiet. Eine Unzahl Vogelarten, alles Hoch- und Niederwild und, wegen der vielen Mäuse, knapp zwei Dutzend Arten nagerfressender Tiere stellen sich übers Jahr hier ein.

Eine weitere Besonderheit ist die vernachlässigte Ernte, denn trotz theoretisch guter Erträge (1to bester Roggen pro Jahr ist möglich) wird nur alle 2-3 Jahre ein kleiner Teil geerntet, um neues Saatgut zu erhalten. Der Rest bleibt stehen und wird vom Wild ab Herbst bestens verwertet. Das Rotwild übernimmt mit Vorliebe die Ernte des bis zu 2m hohen Roggen und  streift gründlich  jede einzelne Ähre ab, das glaubt man kaum. Auch das ist ein Grund, warum der Schnellenzipf für Naturschützer und Jäger so interessant ist, habe an die 20 Hochsitze (auf deutscher und tschechischer Seite) rund um diesen Landzipfel gezählt! Der niedrige Buchweizen, Leinsamen und Hafer dient ausserdem  vielen Vögeln und Nagern bis in den Winter hinein als Nahrung und Deckung.

 

Diesen Beitrag teilen mit: