Biberstaue – Hotspots der Artenvielfalt

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Gastartikel von Markus Grünzinger, Wildtierökologe, Naturfotograf und Ranger im Naturpark Bayerischer Wald


Im 19. Jahrhundert war er in Bayern ausgerottet, doch seit ca. 60 Jahren feiert er sein großes Comeback (Quelle: stmuv Bayern). Die Naturschützer und Naturliebhaber freut es, anderen Interessengruppen bereitet er wiederum manchmal Kopfzerbrechen. Die Rede ist vom Biber. Als Naturpark-Ranger bin ich öfters mal in Bischofsreut und Haidmühle unterwegs und beobachte mit Freuden die Entwicklung in und an den Biberstauen zwischen Schnellenzipf und Grenzübergang Haidmühle/Neuthal. Neben meinem Hobby Naturfotografie bin ich zudem leidenschaftlicher Ornithologe und bin immer wieder begeistert, was sich in den Überschwemmungsbereichen rund um die Biberkonstruktionen so alles aufhält und teilweise auch brütet.

1_Biberstau_Marchhäuser_MGrünzinger
1_Biberstau_Marchhäuser


Ein schönes Beispiel dafür ist die Wasserralle. Der Biologe Karel Kleijn hat es mir schon vor ein paar Jahren prophezeit, dass sich diese Art bei uns ansiedeln wird und mittlerweile hat es sich bestätigt. An mindestens zwei Stellen konnte ich diesen scheuen Vogel zur Brutzeit nachweisen. Meistens macht er sich nur durch sein schweineähnliches Quieken bemerkbar und nur mit sehr viel Glück und Geduld sieht man es mal zwischen den Wasserpflanzen durchhuschen. Am Grenzübergang Haidmühle waren letztes Jahr vermutlich sogar zwei bis drei Brutreviere besetzt. Die Wasserralle gehört wie auch der Wachtelkönig zu den Rallen, braucht aber deutlich nassere Flächen als sein Verwandter.

2_Wasserralle_MGrünzin
2_Wasserralle

Neben der Wasserralle zeigt sich auch bei der seltenen Krickente ein positiver Trend. Diese ist laut Roter Liste als „gefährdet“ eingestuft und in Bayern wird von ca. 230-340 Brutpaaren ausgegangen (Quelle: LFU Bayern). Ich gehe davon aus, dass in der Gemeinde Haidmühle ca. 3-10 Krickentenpaare regelmäßig brüten. Sie benötigen angestaute Bereiche, wo sie sich auch mal in dichte Vegetation zurückziehen können, wie es bei Auersbergsreut am Grenzbach wunderbar gegeben ist. Auch die relativ ungestörten Filze bieten ihnen sehr gute Bedingungen. Im Gegensatz zu Stockenten sind sie ein gutes Stück kleiner, haben einen grünen statt einen blauen Spiegel und das Männchen hat einen braun-grünen schillernden Kopf.

3_Krickente_weiblich_MGrünzinger
3_Krickente_weiblich


Biberstaue sind aber noch für weitere Arten extrem wertvoll. Wer im Frühjahr und beginnenden Sommer in der Morgendämmerung an Feuchtflächen steht, kann mittlerweile relativ häufig die „tica-tica“-Rufe der Bekassine hören. Meistens hört man sie irgendwo vom Boden her, aber dieses Jahr konnte ich regelmäßig ein Individuum beobachten, das von einer abgestorbenen Birke sein Revier markiert hat. Wenn die Bekassine richtig in Balzstimmung kommt, macht sie spektakuläre Balzflüge, bei denen sie die äußeren Steuerfedern abspreizt und dadurch ein spezifisches Geräusch erzeugt. Früher wurde sie deshalb auch Himmelsziege genannt. Leider ist die Bekassine in Bayern und auch Deutschland vom Aussterben bedroht. Umso wichtiger ist es, dass wir versuchen, uns mit dem Biber zu arrangieren und so viele natürliche Stauwerke wie möglich zuzulassen.

4_Bekassine_MGrünzinger
4_Bekassine

Außer den bereits beschriebenen Brutvögeln gibt es auch Futtergäste, die immer wieder mal an gestauten Bächen vorbeischauen. Eisvogel, Graureiher und selten auch mal der Silberreiher bedienen sich an den Elritzen, die sich bei Haidmühle wunderbar vermehren und gut von der Brücke nach Neuthal zu beobachten sind. An heißen Tagen schwimmt die junge Brut direkt unter der Wasseroberfläche. Selbst wenn ein solcher Biberstau für Fische undurchdringlich erscheint, stimmt das meistens nicht. Die Bauwerke sind im Gegensatz zu Kleinkraftwerken lückiger, fehlerhafter und somit auch passierbar. Zudem bieten diese Strukturen viele kleine Versteckmöglichkeiten, wo sich kleine Fische und Insektenlarven vor Fressfeinden zurückziehen können.

Elritzen (5), Silberreiher (6) und Eisvogel (7) alle drei beim Grenzübergang Haidmühle

Die Artenvielfalt bei Haidmühle ist ein wertvolles Geschenk, auf das es sich aufzupassen lohnt. Das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich durch andere Gemeinden fahre, wo mittlerweile viele Wiesen schon häufig gemäht werden, überall fast nur noch Mais angebaut wird und aus Bequemlichkeit noch die letzten Hecken und Gehölze zwischen Wiesen und Bächen entfernt werden. Dort findet man leider kein einziges Braunkehlchen mehr, dort dreht kein Seeadler seine Runden und auch die Kreuzotter findet dort keine geeigneten Lebensbedingungen. Biberstaue sind ein kleiner, aber wichtiger Baustein für Biodiversität und das kann man im gesamten Landkreis an vielen Stellen beobachten. Lasst den Biber, dort wo er nicht „stört“, seine Arbeit verrichten und dann wird man schon sehen, wie schön sich die Landschaft entwickeln wird und wie wir auch zu einem gewissen Teil besser für den Klimawandel gerüstet ein werden.

Seeadler (8) und Braunkehlchen (9) beide beim Grenzübergang Haidmühle

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Alle Tierfotos stammen von mir – Markus Grünzinger – und wurden aus größerer Entfernung mit einem Teleobjektiv geschossen. Ich lege großen Wert darauf, dass Tiere durch meine Fotografie so wenig wie möglich gestört werden. Als studierter Wildtierökologe kann ich das in der Regel immer gut einschätzen.

10_Führung bei Haidmühle_SamanthaBiebl
10_Führung bei Haidmühle_SamanthaBiebl

Sternenpark Haidmühle: Ein Leuchtfeuer für die Nacht

Erstellt von der KI Magic Studio

Haidmühle strahlt nun offiziell als Teil des neuen internationalen Sternenparks Bayerischer Wald! Diese beeindruckende Anerkennung durch Dark Sky International (DSI) ist ein großer Erfolg für unsere gesamte Region – und besonders für die Gemeinde Haidmühle, die sich mit Leidenschaft für den Schutz des Nachthimmels einsetzt.

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Hochmoorschmetterlinge in der
Gemeinde Haidmühle

Hochmoorgelbling

von Gastautor Luca Piser

Aufgrund der aktuellen Thematik der Klimaerwärmung nimmt der Schutz der Moore an Bedeutung zu. Moore dienen als CO2 – Speicher und wirken sich auf die Qualität von Oberflächen -und Grundwasser aus. Außerdem dienen sie als effektiver Hochwasserschutz und spielen eine wichtige Rolle für lokale Niederschläge. Moore stellen einen besonderen Lebensraum für hochspezialisierte Arten da. In diesem Beitrag wird auf einige Hochmoorschmetterlinge genauer eingegangen.

Zu den Hochmoorschmetterlinge zählen beispielsweise der Hochmoorgelbling (Colias palaeno), der Hochmoorbläuling (Plebejus optilete) und der Hochmoorperlmuttfalter (Boloria aquilonaris). Alle drei Arten konnten auf den Flächen von Hochmooren im Bereich der Gemeinde Haidmühle nachgewiesen werden.

Hochmoorperlmuttfalter (Boloria aquilonaris)
Luca Piser ©
Hochmoorperlmuttfalter (Boloria aquilonaris) Luca Piser ©

Wie bereits am Artennamen der Schmetterlinge erkannt werden kann, sind die Individuen Bewohner eines hochspezialisierten Lebensraums: dem Hochmoor.

Die einzelnen Falter sind im Raupenstadium auf Pflanzen angewiesen, die teilweise nur in Hochmooren wachsen. Manche Arten sind monophag. Dies bedeutet, dass die Raupe nur an einer spezifischen Pflanze frisst. Der Hochmoorgelbling besitzt als Raupennahrungspflanze ausschließlich die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum). Der Hochmoorperlmuttfalter hingegen ist als Raupe an die Moosbeere (Vaccinium oxycoccos) gebunden. Die Raupen des Hochmoorbläulings können an verschiedenen Nahrungspflanzen vorkommen. Zu diesen zählen beispielsweise die Rauschbeere, die Moosbeere, die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) und die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus).

Der Hochmoorbläuling lebt auf Lichtungen in bewaldeten Moorrandzonen und meidet hingegen große, baumfreie Gebiete. Außerdem spielen die klimatischen Bedingungen eine entscheidende Rolle sowie die Anwesenheit von windgeschützten Torfmoosschwingrasen. Ein Großteil der Bläulinge hat ein ähnliches Erscheinungsbild. Erst bei einem genaueren Blick lassen sich die Unterschiede der einzelnen Arten ausmachen. Das markante Bestimmungsmerkmal des Hochmoorbläulings ist ein blaumetallisch schillernder Fleck auf der Unterseite der Flügel. Das Geschlecht lässt sich anhand er Färbung der Flügeloberseiten zuordnen. Die Farbe der Flügeloberseiten ist in den meisten Fällen bei den Männchen blau und bei den Weibchen braun.

Hochmoorbläuling (Plebejus optilete)
Luca Piser ©
Hochmoorbläuling (Plebejus optilete) Luca Piser ©

Wie bereits erwähnt benötigt der Hochmoorgelbling als Raupennahrungspflanze ausschließlich die Rauschbeere. Hierbei kommen jedoch nicht alle Bestände der Rauschbeere in Hochmooren in Frage. Der Falter bevorzugt feuchte Standorte gegenüber trockenen. Die Überlebensrate ist an feuchten Standorten deutlich höher im Vergleich zu trockenen. Außerdem stellen starke Beschattung und Verbuschung eine Gefahr für die Populationsdichte dar. Die Raupen können sich bei zu wenig Lichteinfall nicht entwickeln. Die Standortunterschiede führen zu Unterschieden des Raupenwachstums und der Inhaltsstoffe der Raupennahrungspflanze. Dies wirkt sich auf die Überlebensrate und Populationsdichte aus. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Weibchen des Hochmoorgelblings bei der Eiablage gezielt auf die Qualität der Rauschbeere achten. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass der Hochmoorgelbling häufig bei der Nektaraufsuche beobachtet wurde. Dies lässt auf einen hohen Nahrungsbedarf der Falter schließen. Hier wird nochmals deutlich, dass nicht nur die Art der Nektarpflanze entscheidend ist, sondern auch eine ausreichend große Anzahl.

Hochmoorgelbling (Colias palaeno)
Luca Piser ©
Hochmoorgelbling (Colias palaeno) Luca Piser ©

Eine Rarität im Bereich der Gemeinde Haidmühle stellt ein kleiner Falter dar. Mit einer Größe von gerade einmal 11-14mm bleibt er dem menschlichen Auge oftmals verborgen. Sein Name besonders: Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle). Der Name ist zurückzuführen auf die Oberseite der Flügel, welche in einem bestimmten Einfallswinkel der Sonne blau schillern. Die Raupennahrungspflanze des Winzlings ist der Schlangen – Knöterich (Bistorta officinalis). Diese Pflanze tritt in Moorwiesen häufig auf. Grund für die Seltenheit des Falters ist der Anspruch an kleinklimatisch kühle Standorte, welche windgeschützt sind. Die beschriebene Art wurde vor zehn Jahren im Nationalpark Šumava angesiedelt. Mittlerweile kommt sie auch im Bereich der Gemeinde Haidmühle vor. Daraus resultiert, dass die damalige Ansiedlung erfolgreich war.

Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle)
Luca Piser ©
Blauschillernder Feuerfalter (Lycaena helle) Luca Piser ©
Hochmoorschmetterlinge in der
Gemeinde Haidmühle
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Neuer Internetauftritt Haidmühle!

Blick vom Hochstein

Die Homepage von Haidmühle war bisher eher nichts-sagend um nicht zu sagen langweilig und altmodisch.

Und jetzt, bei einem kürzlichen Besuch von www.haidmuehle.eu die große Überraschung: es gibt einen neuen Internetauftritt! Modern gestaltet, übersichtlich, informativ!

Wenn jetzt auch noch die kontinuierliche Betreuung klappt, ist das ein echter Fortschritt zu einer zeitgemäßen Darstellung von Haidmühle,  zumindest mal im Internet… Gratulation!

PS: Das Foto zeigt die Region Haidmühle aufgenommen vom Hochstein vor einigen Tagen!

Haibischl