Gold – Grubenfeld Sulzau bei Schnellenzipf

von Gastautor Elmar Hartl

Gut bekannt sind die Grubenfelder, d.h. die Bereiche in denen Bergbau betrieben wurde im Quellbereich der Kalten Moldau. Das größte reicht von dem Goldgrubenbach bis nach Ludwigsreut und zählt damit zu den größten im Bayerischen Wald. Zwischen Schnellenzipf und Langreut gibt es ein weiteres, das bei knapp 700 m Länge und bis zu 100 m Breite sehr gut zu erkennen ist.

Der Wanderweg Nr. 2 durchquert auf der Forststraße gemeinsam mit dem Goldenen Steig das Grubenfeld. Manchem mögen die Hügel rechts und links des Weges aufgefallen sein, doch daran, dass hier Leute nach Gold gruben, hat wohl kaum jemand gedacht. Erst Hermann Kerscher vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hat diese alten, auffälligen Bergbauspuren am Schreibtisch als Überbleibsel der Goldwäscher erkannt. Dieser entdeckte die Seifenhügel*, als er am Computer mit Hilfe der Bilder der damals ganz neu entwickelten Methode des Airborne Laserscans (ALS) den Goldenen Steig dokumentierte. Das Grubenfeld stellte er erstmals 2011 am 30. Niederbayerischen Archäologentag in Deggendorf der Öffentlichkeit vor. (Heute sind diese ALS-Bilder im BayernAtlas unter dem Stichwort Geländerelief frei zugängig.)

Die Waschhügel werden von einem heute namenlosen Rinnsal durchflossen. Vielleicht verlor es seinen Namen an den Sulzbach, der oberhalb davon in Richtung Schnellenzipf fließt. Das Wasser der meisten Quellen oberhalb des Grubenfeldes wurde von den Bauern für die Wiesenbewässerung im Bereich Schellenzipf ab- und umgeleitet. Nach der historische Karte des BayernAtlas floss übrigens der Sulzbach einst in den Zassauer Wässerungsgraben. Der BayerAtlas zeigt in seiner topographische Karte, dass der Langreuter Wässerungsgraben in den Sulzbach mündet und zwar im Quellbereich des namenlosen Rinnsals des Grubenfeldes. Dieser Wässerungsgraben leitet(e?) wiederum Wasser von der Stierhofseuge ab, die bei Schwarzenthal in den Schwarzbach fließt. Es scheint die Vermutung nicht völlig abwegig zu sein, dass der Langreuter Wässerungsgraben einst von den Goldsuchern angelegt wurde, da vielleicht der ursprüngliche Sulzbach zu wenig Wasser für das Goldwaschen führte.

Nebenbei sei darauf hingewiesen, dass in den neuen Karten oft noch die Wässerungsgräben eingetragen sind, obwohl sie teilweise schon seit Jahrzehnten trocken liegen. Wenn man will, kann man sie heute als Bodendenkmäler betrachten, die vor ungefähr 50 Jahren ihre Funktion verloren haben.

Die ältesten Waschhügel in diesem Grubenfeld befinden sich in der Nähe der Einmündung des Rinnsals in den Harlandbach. Dieser bildet dort heute die Landesgrenze. Die Seifenhügel sind in diesem Bereich ziemlich flach (Abb. 1).

Abb. 1 Unterer Bereich des Grubenfeldes
Abb. 1 Unterer Bereich des Grubenfeldes

Wegen des hohen Grundwasserstandes konnten die Goldwäscher nicht tief graben. Sobald das Gelände ansteigt und das Grundwasser kein Problem mehr darstellt, werden die Hügel immer höher, bzw. die Gräben immer tiefer (Abb. 2).

Abb. 2 Mitten im Grubenfeld
Abb. 2 Mitten im Grubenfeld

Laut Bayerischen Denkmal-Atlas handelt es sich ebenso wie bei den Grubenfeldern im Kalten Moldau-Bereich um spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Goldseifenhügelfelder.

Ob dies tatsächlich so ist, können fast nur naturwissenschaftliche Untersuchungen feststellen. Dafür ist vor allem der Bereich in der Nähe des Harlandbachs sicher besonders gut geeignet. Um die Waschhügel herum ist es heute sumpfig. Es ist dort also Material für C-14 Altersbestimmung vorhanden. Mit Hilfe der Pollenanalyse kann man aus dem moorigen Boden Kenntnisse über den Aufenthalt und u. U. sogar über die Lebensweise der Goldwäscher gewinnen. Wenn man großes Glück hat, findet man sogar Holz, das zu jener Zeit z. B. für Waschrinnen verwendet wurde. Im Wasser bleibt dieses gut erhalten. Falls es genügend Jahresringe aufweist, lässt sich mit Hilfe der Dendrochronologie sogar das Jahr feststellen, in dem damals die Leute den Baum dafür fällten.

* Seifenhügel: in gewissen Bereichen von Gewässern reichern sich schwere, widerstandsfähige Mineralien an, z.B. Gold. Diese nennt man Seifen. Beim Durchwaschen dieser Seifen entstehen mehr oder weniger große Haufen, die Seifenhügel oder Waschhügel.

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