Toll, der Reparaturindex

Es tut sich was in Europa!

Wer hat sich nicht schon mehrfach darüber geärgert, wenn ein Gerät unter Umständen nur wegen minimaler Mängel ausfällt und eine Reparatur so gut wie unmöglich ist. Unmöglich bezieht sich dabei zum Teil auf die Bauweise mit unzugänglichen Komponenten (Musterbeispiel Apple), geplanter Obsoleszenz, nicht vorhandenen bzw. extrem teuren Ersatzteilen oder zu hohen Reparaturkosten…

In Deutschland gibt es zwar ein Kreislaufwirtschaftsgesetz das aber zu kurz greift und auch nicht ausreichend durchgesetzt wird! Ähnlich ist es in der Europäischen Union insgesamt. Im vorigen Jahr trat dann jedoch Frankreich als Vorreiter auf und etablierte den sogenannten Reparaturindex:

Die Erarbeitung der Kriterien und des Aufbaus des Reparatur-Index erfolgt im Rahmen einer Arbeitsgruppe. Diese setzt sich aus VertrerInnen von Regierungsbehörden, Herstellern, HändlerInnen, Verbraucherverbänden und NGOs zusammen. In seiner derzeitigen Form besteht der Index aus fünf Kriterien mit jeweils weiteren Unterkriterien. Die Kriterien lauten:

 Zugang zu Informationen
 Einfache Demontage
 Zugang zu Ersatzteilen
 Preis der Ersatzteile
 Produktspezifische Eigenschaften

Wie das in Frankreich gehandhabt wird kann zum Beispiel auf dem Titelbild dieses Beitrags gesehen werden. Solange es so einen Reparaturindex in Deutschland nicht gibt kann natürlich jedermann und auch Frau per Internet in Frankreich den jeweiligen Reparaturindex recherchieren/herausfinden, zur Not sogar bei www.Amazon.fr. (Deshalb muss ja nicht unbedingt auch gleich bei Amazon eingekauft werden!)

Eine Recherche bei einem der großen Elektrogerätehändler in Frankreich https://www.fnac.com ergibt bei Handys zum Beispiel folgende Ergebnisse:

Apple iPhone 13 Pro Max

Apple iPhone 13 Pro Max

Smartphone Samsung S20

Smartphone Samsung S20

Das Fairphone steht gemäß diesen französischen Regeln in einer Spitzenposition aller Handys/Smartphones (Gefunden bei einem anderen online Verkäufer in Frankreich)!

Fairphone

Die EU-Kommission prüft derzeit die Einführung eines europäischen Reparatur Scorings und führt Studien über eine mögliche Umsetzung im Zusammenhang mit der Kennzeichnung für Energieeffizienz durch.

Eine konsequente Umsetzung des im Frühjahr 2020 von der EU-Kommission vorgestellten
„Europäischen Aktionsplans Kreislaufwirtschaft“ sollte diese Mechanismen in Gang setzen. Das Zusammenspiel regulativer wie anreizbasierter Maßnahmen würde dann zur Umsetzung einer konsequenten Kreislaufwirtschaft mit einem reduzierten Rohstoffverbrauch beitragen.
Seit März 2021 gibt es außerdem innerhalb der EU neue Öko Design Anforderungen die zum Beispiel fordern, dass Hersteller Ersatzteile zur Verfügung stellen, Reparaturanleitungen frei zugänglich und die Geräte reparaturfreundlich konstruiert sein müssen.

Bis es auf gesetzlicher Basis zu weiteren entscheidenden Verbesserungen kommt, kann jeder einzelne schon mal einiges tun und sich zum Beispiel beim Kauf soweit wie möglich über die Reparaturfreundlichkeit informieren oder auch von vornherein ein gebrauchtes Gerät anschaffen.

Im Falle einer notwendigen Reparatur gibt es mittlerweile eine ganze Anzahl von Unternehmen in Deutschland die versuchen den Gedanken der Reparatur (siehe auch Refurbishing auf Neuhochdeutsch) und des Wiederverwendens umzusetzen:

Diesen Beitrag teilen mit:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.